Anleihen werden interessanter
US-Zinsen belasten die Börse

Erstaunlich gut stecken die Aktienmärkte die jüngste Zinserhöhung in den USA weg. Wirklich? Hervorragende Konjunkturdaten und starke Firmengewinne rechtfertigen eigentlich weiter steigende Kurse. Stattdessen treten sie auf der Stelle. Die Rally stockt.

Schuld daran ist die amerikanische Notenbank. Sie hält an ihren Zinserhöhungen fest. Solche Phasen gehen üblicherweise mit fallenden Kursen einher. Spätestens wenn die Wirtschaft und Unternehmen nicht mehr ganz so tolle Signale senden, dürften die Börsen unter Druck geraten.

Höhere Zinsen belasten die Börsen, weil die Firmen mehr Geld für Kredite ausgeben müssen. Das schmälert den Gewinn. Zugleich machen höhere Zinsen Anleihen interessanter, weil sie eine bessere Rendite abwerfen.

Seit Beginn der siebziger Jahre fällt der amerikanische Dow Jones zwischen der ersten und letzten Zinserhöhung nach Berechnungen der Bankgesellschaft Berlin durchschnittlich um 2,3 Prozent. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schafft ein mageres Plus von 1,2 Prozent. In der Phase zwischen der ersten Zinserhöhung und ersten Zinssenkung verlor der Dow sogar 3,1 Prozent, der Dax 1,5 Prozent.

Dass auch der deutsche Markt unter Druck kommt, ist nicht ungewöhnlich. Schließlich hängen die europäischen Börsen und Konzerne am Tropf der größten Volkswirtschaft. Zudem gibt die US-Notenbank häufig die Richtung für andere Notenbanken vor.

Dass der Dax diesmal seit der ersten US-Zinserhöhung dennoch 45 Prozent zulegte, hat drei wesentliche Gründe. Erstens war das Ausgangsniveau der Zinsen mit einem Prozent so niedrig wie noch nie. Zweitens folgen die langfristigen Zinsen nur sehr zögerlich dem Leitzins der Notenbank. Gerade sie sind für die Unternehmen und ihre Finanzierung maßgeblich. Drittens waren die Börsen vor Beginn des Zinszyklus stark gefallen, der Dax hatte drei Viertel seines Wertes verloren. Weil die Firmengewinne kräftiger als die Kurse zulegten, wurden Aktien preiswerter. Das dämpft die Rückschlagsgefahr.

All das heißt aber nicht, dass die Börsen diesmal gegenüber höheren Zinsen immun sind. Sie leiden, aber stark verzögert. Selbst hervorragende Konjunkturdaten – der viel beachtete Ifo-Index notiert so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr und signalisiert einen kräftigen Aufschwung – vermögen den Dax kaum noch nach oben zu ziehen. Seit vielen Wochen scheitert er an der Hürde von 6000 Punkten. Schuld daran sind die vielen Zinserhöhungen. Weil der neue US-Notenbankchef Ben Bernanke recht unverhohlen weitere Schritte ankündigte, halten sich derzeit gute und schlechte Börsennachrichten die Waage.

Folgen den höheren Zinsen Enttäuschungen bei den Unternehmensergebnissen und schwächere Konjunkturaussichten – beides ist noch nicht in Sicht –, dann dürften die Aktienkurse fallen. Die langjährige Statistik, wonach die Börsen nach vielen Zinserhöhungen negativ reagieren, würde sich doch noch bewahrheiten.

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