Anleihen
Wetten auf die Inflation

Anleihen, die Investoren vor Inflation schützen, kommen angesichts der täglich neuen Schreckensmeldungen über steigende Öl- und Lebensmittelpreise gut an. In der vergangenen Woche brachte Italien eine zehnjährige inflationsindexierte Anleihe über vier Mrd. Euro auf den Markt, für die Investoren Kaufaufträge über mehr als sechs Mrd. Euro abgaben.

FRANKFURT. Die Anleihe, die zum Kurs von 100 Prozent des Rückzahlungswertes begeben wurde, hat einen realen Zinsschein von nur 2,35 Prozent. Diesen Zins haben Anleger aber sicher, denn der Zinsschein und auch der Rückzahlungsbetrag steigen in Höhe der Inflation.

Mit einer herkömmlichen zehnjährigen italienischen Staatsanleihe bekommen Anleger dagegen einen Kupon von 4,5 Prozent. Angesichts des auf knapp 97 Prozent gefallenen Kurses der Anleihe entspricht das einer Rendite von 4,70 Prozent. Die normale Anleihe bietet also 2,35 Prozent mehr Rendite als der an die Inflationsrate gekoppelte Bond. Der Kauf des Inflation Linked Bonds (Linker) lohnt sich für Anleger dann, wenn die Verbraucherpreise mehr als die 2,35 Prozent steigen, die Investoren durch den Kauf der niedriger verzinsten Anleihe entgehen.

Auch bei anderen langlaufenden Staatsbonds im Euro-Raum liegen die Renditeabstände zwischen herkömmlichen und inflationsindexierten Anleihen bei etwa 2,4 Prozent. Anfang des Jahres lagen diese sogenannten Break-Even-Renditen, welche die langfristigen Inflationserwartungen widerspiegeln, bei nur 2,1 Prozent. Dabei lag die tatsächliche Inflationsrate schon damals mit 3,1 Prozent deutlich höher. In dieser Woche werden die Daten für den Mai veröffentlichtet, und Volkswirte rechnen im Schnitt mit einem Anstieg auf 3,5 Prozent, nach 3,3 Prozent im April. Auf kurze Sicht sind und waren inflationsgeschützte Anleihen von daher eine gute Wette für Investoren. Ökonomen rechnen nach Daten des Forschungsinstituts Consensus Economics damit, dass die Verbraucherpreise im Gesamtjahr 2008 um 2,9 Prozent anziehen werden. Dies meint auch die Europäische Zentralbank (EZB). Pessimisten wie die Volkswirte der Commerzbank erwarten sogar eine Teuerungsrate von 3,6 Prozent. Hauptgrund ist der steigende Ölpreis, der zuletzt ein Rekordhoch von 135 Dollar je Fass erreicht hat.

Für das kommende Jahr sehen die Inflationsprognosen aber schon wieder freundlicher aus. Die EZB geht davon aus, dass die Inflationsrate 2009 auf 2,1 Prozent sinken wird. Damit läge sie nur noch etwas über dem EZB-Ziel von "nahe aber unter zwei Prozent". Die Prognose der Währungshüter gründet sich unter anderem auf die Annahme, dass das erwartete schwächere Wirtschaftswachstum und der starke Euro den Preisauftrieb dämpfen werden. Zu Bonds ohne Inflationsschutz sollten nur langfristig orientierte Investoren greifen, die erwarten, dass die Notenbanker die Preissteigerungen - notfalls auch über Zinserhöhungen - wieder in den Griff bekommen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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