Anschluss verpasst
Brasilianische Konsumaktien leiden unter Handy-Boom

Das brasilianische Statistikamt hat eine interessante Beobachtung gemacht. Die Brasilianer geben immer mehr von ihren knappen Budgets für Handys und mobiles Telefonieren aus. Und aus diesem Grund bleibt für andere Produkte im mittleren Konsumbereich nichts mehr übrig.

HB SAO PAULO. Das erklärt das schwache Abschneiden der brasilianischen Konsumaktien. Denn obwohl die Einkommen der Bevölkerung seit drei Jahren steigen, kommen die Kurse der Aktien dieser Unternehmen nicht in Schwung.

Das gilt weniger für die einfachen Konsumgüter wie Grundnahrungsmittel oder die teuren wie etwa PKWs oder Immobilien. Es sind die Produkte der Freizeitbranche und des Mittelklassen-Konsums, die unter den knappen Haushaltskassen leiden: Mode, Kosmetik, Unterhaltungs- und Haushaltselektronik, Kabel-TV, Kino, Spielwaren, Reisen oder Hotelbesuche.

Zwar liegt die Wurzel für die oft miserablen Kursverläufe der Konsumaktien in den insgesamt niedrigen Einkommen der Bevölkerungsmehrheit. Über ein echtes Freizeitbudget verfügen nur die Familien ab der oberen Mittelschicht. Die traurigen Ruinen bankrotter Freizeitparks um die Millionenstädte zeigen: Die Investoren haben sich verkalkuliert, als sie in den 90er-Jahren darauf setzten, dass die wirtschaftliche Stabilisierung in Südamerika automatisch die Ausgaben der Bevölkerung für Freizeit steigern würden. Doch, dass nun auch noch der Handy-Boom die ersehnte Erholung noch weiter verzögern wird, damit haben sie nicht gerechnet.

Der Schaden für die lokalen Finanzmärkte ist doppelt: Die Aktien der Konzerne der Freizeitindustrie bleiben unattraktiv für Investoren. Damit ist eine an den Börsen der Industrieländer immens wichtige Branche kaum auf dem brasilianischen Aktienmarkt vertreten. Ein Blick auf die Liste der brasilianischen Blue-Chips zeigt: Unter den 43 brasilianischen Unternehmen, die auch an der Wall Street notiert sind, befinden sich gerade vier Unternehmen, die Produkte im mittleren Konsumbereich anbieten – bis auf die Supermarktkette CBD sind das Nebenwerte, die wenig gehandelt werden. Dagegen befinden unter den acht börsennotierten Mobilfunkfirmen drei echte Standardwerte.

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