Auch ein Ende des Xetra-Handels um 17.30 Uhr dürfte der Präsenzbörse kaum neuen Schwung bringen
Im günstigsten Fall eine Chance für das Parkett

Parketthändler haben es nicht einfach: Passiert an den Aktienmärkten etwas besonderes, werden sie von Fernsehleuten genötigt, wild gestikulierend und mit aufgeregtem Blick durchs Bild zu huschen. Anscheinend soll der Zuschauer der Tagesthemen oder des Heute-Journal noch immer glauben, dass die Big Deals tatsächlich auf dem Frankfurter Parkett abgehen.

FRANKFURT/M. Dabei zeigt doch die Orderbuchstatistik der Deutschen Börse ein ganz anderes Bild. Beispiel: Der vergangene Freitag. 96,31 % aller Geschäfte mit Aktien aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) wurden zum Wochenausklang über das Computerhandelssystem Xetra abgewickelt, im MDax waren es 90,65 %, im TecDax 79,19 % und im SDax 66,65 %. Lediglich der verbleibende Rest lief über das Parkett oder über die sieben Regionalbörsen. Diese Zahlen sind übrigens durchaus repräsentativ für einen gewöhnlichen Handelstag.

Sie zeigen jedoch auch eine eindeutige Richtung. Das Geschäft mit den großen Orders der Blue Chips geht nahezu am Parkett vorbei. Beispiel Siemens: Die Aktie des Technologiekonzerns war am Freitag wie so oft wieder einmal Umsatzspitzenreiter. 97,81 % des Handels lief über Xetra. Bei VW waren es 98,5 % und bei Eon und BASF sogar knapp 99 %. Ebenfalls keine ungewöhnlichen Werte für diese Papiere.

Je unbedeutender Aktien jedoch werden, umso mehr verschiebt sich der Handel in Richtung Parkett. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Infos über Small- und Midcaps sind häufig nicht überall publik. Hierfür braucht es immer noch den Kontakt mit dem Händler als persönlichem Ansprechpartner. Das gute alte Telefon ist hierbei weiterhin wichtigste Info-Quelle. Das Gefälle zeichnet sich bereits im Dax ab: Von der MLP–Aktie, die in zwei Wochen aus den Top 30 heraus genommen wird, wurden am Freitag „nur“ 83,73 % aller gehandelten Papiere über Xetra abgewickelt.

Nun soll Xetra ab dem 3. November um 17.30 Uhr schließen, während es auf dem Parkett wie bisher bis 20.00 Uhr weiter geht. Parketthändler sehen das als neue Chance, um am Abend von den Umsätzen zu profitieren, die bisher über Xetra getätigt wurden. Doch war dort das Geschäft am Abend schon meist zum Erliegen gekommen, da große Player wie beispielsweise JP Morgan mit ihrem Aktiengeschäft schon längst nach New York weiter gezogen sind. Sie beginnen den Tag in Fernost, gehen dann nach Europa und beenden ihn in den USA.

Größere Aufträge institutioneller Anleger könnte der Parketthandel am Abend zwar stemmen, es fehlt dort bislang jedoch an den Volumina. Wer hier in großem Stile aktiv handeln will, der findet meist gar nicht die entsprechenden Stückzahlen, da das Orderbuch in der Regel um diese Zeit ziemlich ausgedünnt ist. Nur eine Vielzahl kleiner Aufträge ist noch „im Buch“. Was bleibt, sind die weiterhin hohen Kosten für die Parketthändler. Helfen könnte ihnen nur ein neuer Börsenboom: Doch der ist trotz der jüngsten Erholung weit und breit nicht in Sicht. Und wenn er denn käme, würde zuallererst der Xetra-Handel profitieren. Selbst dann wären aufgeregte Parketthändler nur in Tagesthemen und Heute-Journal zu sehen.

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