BB Biotech will seine Börsenbewertung verbessern
Die Tücke der Lücke

Wenn beim Schweizer Vermögensverwalter Bellevue Asset Management die Rede auf den inneren Wert kommt, dann hat das nichts mit Anstand und Moral der Mitarbeiter zu tun. Nicht, dass diesen dabei etwas vorzuwerfen wäre. Aber der Begriff „Innerer Wert“ steht bei Bellevue für die Differenz zwischen dem Börsenwert der Beteiligungen und dem der eigenen Aktien.

FRANKFURT/M. Da klafft noch immer eine deutliche Lücke bei vielen Unternehmen, speziell bei den Papieren der im TecDax gelisteten BB Biotech. Rund 16,5 % betrug die Differenz am Freitag. „Zuviel“ heißt es nun vom Management, weshalb der Discount bis zum Jahresende auf unter 10 % gedrückt werden soll.

Deshalb rühren die BB-Biotech-Chefs nun in großen Stil die Werbetrommel bei Investoren in ganz Europa. Von rund 100 Gesprächen ist die Rede. Die Quintessenz: Eine Bandbreite von 10 % sei durchaus normal. In Euphoriezeiten liege dabei die eigene Aktie vorn, in schwachen Börsenphasen müsse für sie ein Abschlag in dieser Höhe einkalkuliert werden. Alles, was über der Marke von 10 % liege, sei jedoch nicht akzeptabel. Zu Gute kommt den Verantwortlichen dabei, dass große Beteiligungen wie Amgen und Serono gerade erst gute Quartalszahlen abgeliefert haben. Rückschläge sind hier vorerst nicht zu erwarten. Erst am Donnerstag haben beispielsweise die Analysten der US-Bank Thomas Weisel Amgen erstmals zum Kauf empfohlen, obwohl die Aktie im letzten Vierteljahr schon kräftig zugelegt hat.

Um nun endlich wieder in die gewünschten Grenzen zu gelangen, setzt BB Biotech auf eine neue Klientel: Die so genannten Discount Arbitrageure. Zählten bisher vor allem Anleger mit langem Atem und Branchenkenntnissen zu den Aktionären von BB Biotech, so ist der neuen Zielgruppe sowohl die Branche als auch die Expertise grundsätzlich egal. Auch nach einer Langfristanlage steht ihnen nicht der Sinn. Was zählt, ist die offensichtliche Unterbewertung einer Aktie und der Ansatz, daraus möglichst schnell Gewinn zu schlagen, ehe man sich wieder verabschiedet.

Bisher sind solche Entwicklungen bei der BB Biotech-Aktie noch nicht zu erkennen – der Discount nahm in der vergangenen Woche sogar zu. Denkbar sind sie aber durchaus. Allein die zahlreichen Präsentationen seit Anfang September in Basel, Zürich, München, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg lassen darauf schließen, dass das Interesse bei Spekulanten geweckt wurde.

Noch eine weitere Ankündigung sorgt für Phantasie. Die US-Biotechfirma Eyetech Pharmaceuticals, bei der BB Biotech mit 13,1 % größter Einzelaktionär ist, soll noch in diesem Jahr oder spätestens im ersten Quartal 2004 an die Nasdaq gebracht werden. Es wäre dort der erste Börsengang eines Biotech-Unternehmens seit langem.

Eine Frage bleibt dennoch: Was ist, wenn es den BB-Biotech-Machern nicht gelingt, den Discount bis zum Jahresende in den einstelligen Bereich zu drücken? Das Unternehmen will im kommenden Jahr verschiedene Vorschläge für Kapitalmaßnahmen vorlegen. Der wohl interessanteste für Aktionäre: Es könnte eine Art Sonderdividende geben, die die Lücke zwischen Aktienkurs und Wert der Beteiligungen mit einem Schlag schließen würde. Darüber wird allerdings erst auf der Generalversammlung – so heißen Hauptversammlungen in der Schweiz – am 20. April 2004 in Zürich entschieden.

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