Bei Ahold nehmen die Skandale kein Ende
Ihr Auftritt, Moberg!

Nach dem Bilanzskandal sollte Anders Moberg den beinahe havarierten Amsterdamer Konzern Ahold wieder in sauberes, ruhigeres Fahrwasser steuern. Seitdem hat sich die Aktie auf rund 9 Euro gegenüber ihrem Tief im Februar verdreifacht.

BRÜSSEL. Tatkräftig ging Anders Moberg im vergangenen Frühjahr seine Mammutaufgabe an: Nach dem Bilanzskandal sollte er den beinahe havarierten Amsterdamer Konzern Ahold wieder in sauberes, ruhigeres Fahrwasser steuern. Zuvor war der Vorstand des drittgrößten Einzelhandelsriesen der Welt wegen Unregelmäßigkeiten in der Buchführung zurückgetreten. Und der Börsenwert des Unternehmens war um drei Viertel eingebrochen. Seitdem hat sich die Aktie auf rund 9 Euro gegenüber ihrem Tief im Februar verdreifacht. Doch von den 14 Euro, die das Ahold-Papier vor dem Skandal kostete, ist sie noch weit entfernt, ganz zu schweigen von den 30 Euro, die das Papier vor anderthalb Jahren wert war.

Ein Teil des Aufschwungs kann sich der neue Ahold-Chef selbst zuschreiben. Nach seinem Amtsantritt begann das Großreinemachen mit der drastischen Korrektur der zu hoch ausgewiesenen Umsatzzahlen. Vergangenen Donnerstag dann legte der Schwede die korrigierten Geschäftsergebnisse für die zurückliegenden drei Jahre vor. Mit dem ausgewiesenen Milliardenverlust für 2002 will er einen Schlussstrich unter die Angelegenheit ziehen und den Konzern auf das europäische Kerngeschäft fokussieren. Die Börse belohnte seinen Schritt – und dass die Zahlen nicht so schlecht ausfielen wie erwartet.

Aber dann schlug die Stimmung um. Dass die Umsatzzahlen nur Tage nach der Korrektur nochmals korrigiert werden mussten, nahmen viele Börsianer noch als Lapsus hin. Dass der Termin zur Veröffentlichung der endgültigen Bilanz dann aber vier Mal verschoben wurde, fanden sie schon weniger lustig. Aber dass Moberg in den ersten zwei Jahren unabhängig von seiner Leistung mindestens 6 Mill. Euro einstreichen sollte, war den Aktionären dann doch des Guten zu viel. Auf der Hauptversammlung Anfang September kam es zu tumultartigen Szenen und in den Tagen darauf hagelte es Proteste von Aktionären, institutionellen Investoren und dem Premierminister. Viele Verbraucher boykottierten Supermärkte der Ahold-Tochter Albert Heijn.

In dieser aufgeladenen Atmosphäre verspielte Moberg viel Sympathie, indem er beleidigt reagierte. Erst zur Monatsmitte schien der Schwede endlich verstanden zu haben. Unter dem wachsenden Druck verzichtete er auf Bonus und Abfindung. Doch vor wenigen Tagen stieß er den Anlegern erneut vor den Kopf: Entgegen seiner Ankündigung, Nebenfunktionen abzubauen, nahm er einen neuen Aufsichtsratsposten beim schwedischen Einzelhändler Clas Ohlson an. „Wo will er die Zeit hernehmen, Ahold verantwortungsvoll aus der Krise zu führen und andere Konzerne gut zu kontrollieren“, fragen Aktionäre nun besorgt. Er brauche alle Zeit und Energie für Ahold, wetterte die VEB und auch der Ahold-Betriebsrat wies Moberg zurecht.

Der Ex-Chef des Möbelhauses Ikea negiere wichtige Signale, urteilte „Het Financieele Dagblad“. Schon taucht der Verdacht auf, Moberg bereite bei Ohlson seine Zukunft nach Ahold vor. Auch dass er den Termin für die Präsentation der Halbjahresergebnisse und seiner Strategie von ursprünglich Oktober in den November verschob, stieß bei Analysten sauer auf.

Vertrauen weckt das alles nicht, doch genau das braucht der angeschlagene Konzern, schließlich muss er seine Bilanz mit einer Kapitalerhöhung wieder ins Lot bringen – und dafür braucht es Investoren.

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