Bei Auto-Aktien drängt sich kein Einstieg auf
Gebremste Rally

Ein Silberstreif leuchtet am deutschen Autohimmel: Im März kletterten die Neuzulassungszahlen im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich an. An der Börse herrscht Erleichterung. Seit zwei Tagen preschen die Aktien von BMW und Volkswagen, die im März überdurchschnittlich viele Autos verkauft haben, wieder nach vorn.

DÜSSELDORF. Eine ausgedehnte Rally der Automobil-Aktien ist in den kommenden Monaten allerdings nicht zu erwarten. Zwar haben die Werte der deutschen Hersteller sowohl im Vergleich zum Gesamtmarkt als auch zur internationalen Konkurrenz durchaus Nachholbedarf. Das fundamentale Umfeld spricht aber trotz der jüngsten Zahlen gegen die Autobauer: Zum einen profitierten die Hersteller im vergangenen Monat bei den Neuzulassungen davon, dass im Vergleich zum März 2003 mehr Arbeits- und damit Verkaufstage anfielen. Schon im April wird sich dieses Ungleichgewicht auflösen. Andererseits bleiben die Hindernisse für eine anziehende Autokonjunktur – insbesondere die geringe Konsumneigung der Deutschen – bestehen.

Zudem setzt die Konkurrenz aus dem Ausland den deutschen Herstellern weiter zu. Autokonzerne aus Japan und Korea, allen voran Mazda, Toyota und Hyundai verzeichneten nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen Staaten Westeuropas die höchsten Zuwächse an Neuzulassungen.

An den internationalen Aktienmärkten ist dieser Trend schon seit Monaten festzustellen. Hier eilen die Notierungen von Toyota und Co. allen Konkurrenten davon. Ein Blick auf die Kurscharts der meisten Asiaten zaubert ein Lächeln auf die Gesichter technisch orientierter Anleger. Die Toyota-Aktie befindet sich seit dem vergangenen Frühjahr in einem stabilen Aufwärtstrend. Der Börsenwert des zweitgrößten Autobauers der Welt ist im gleichen Zeitraum um rund 60 Prozent gestiegen.

Allerdings hat auch die Erfolgsgeschichte der Autohersteller aus Fernost ihre Schattenseiten. Während die Japaner auf den Auslandsmärkten die Platzhirsche mit hohen Absatzzuwächsen das Fürchten lehren, herrscht auf dem Heimatmarkt nach wie vor Flaute. Erst vor wenigen Tagen verkündete der japanische Automobilverband, dass die verbesserte konjunkturelle Lage noch nicht auf den Kfz-Markt durchgeschlagen habe und dass sich eine Erholung des inländischen Autoabsatzes noch hinziehen könne.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Bewertungen der Auto-Aktien in Tokio ambitioniert. Sämtliche Werte weisen für 2004 Kurs- Gewinn-Verhältnisse (KGV) von weit über 20 auf. Die Aktien deutscher Hersteller kosten nur rund das Zehnfache der erwarteten Gewinne. Noch günstiger sind die Papiere der französischen Autobauer mit einstelligen KGV-Werten.

Investoren, die partout nicht auf nachhaltige Zuwächse bei den Verkaufszahlen warten wollen und schon jetzt einen neuen Autofrühling wittern, sollten sich daher besser in Europa umschauen. Vorsicht ist aber angebracht.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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