Bei der Deutschen Telekom verliert der drohende Aktienverkauf des Bundes und der KfW seinen Schrecken
Aus Fehlern klug geworden

Eigentlich war alles ganz anders geplant. Die Telekom sollte den deutschen Aktienmuffel endlich von der Börse überzeugen und mithelfen, endlich auch hierzulande eine Aktienkultur zu installieren.

DÜSSELDORF. Daraus wurde nichts, weil ausgerechnet die vermeintliche Volksaktie im dreijährigen Crash zu den größten Verlierern gehörte. Vom größten Wertvernichter und Schuldenmacher war die Rede. Das war eine bittere Lektion. Doch inzwischen ist es die Deutsche Telekom selbst, ihre Lektion gelernt hat. Deshalb lastet sogar das Damoklesschwert möglicher Milliardenverkäufe des Bundes kaum noch auf dem Aktienkurs.

Lektion eins ist die erfolgreiche Konzentration auf den Schuldenabbau anstatt nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau zu halten. Dank eines hohen Cash-Flows und eines jährlichen Gewinns von rund drei Milliarden Euro gelingt es Konzernchef Kai-Uwe Ricke bislang jedesmal, seine Etappenziele überzuerfüllen. Von einst über 70 Milliarden Euro Schulden stehen noch weniger als 50 Milliarden Euro zu Buche. Anleger honorieren so viel Verlässlichkeit als vertrauensbildende Maßnahme und stoßen die Aktie nicht mehr bei jeder erstschlechten Nachricht ab.

Nebenbei bemerkt: Etwas Glück ist auch dabei. Schließlich profitiert die Telekom als einer der wenigen Titel im Deutschen Aktienindex von den Devisenturbulenzen. Weil der Konzern stark in den USA verschuldet ist, wird die Telekom mit jedem Cent, den der Dollar gegenüber dem Euro im Wert sinkt, um knapp 100 Millionen Euro entlastet. Lektion zwei ist die Wiederentdeckung der Dividende. Das Unternehmen geht bewusst in die Vollen und will im nächsten Jahr nach zwei Nullrunden 62 Cent pro Aktie ausschütten. Das sind mehr als erwartet und fast 80 Prozent des Nettogewinns – vor allem angesichts der hohen Schulden ein zu hoher Batzen. Denn sobald die Gewinne mal etwas niedriger ausfallen, wäre die Telekom gezwungen, die Dividende zu kürzen. Das aber läuft einer Kontinuität zuwider, die in einer guten Aktienkultur noch wichtiger ist als eine hohe Dividende.

Doch Lektion zwei und der Geldsegen für die Aktionäre hat für die Telekom eine ganz besondere Bedeutung. Denn angesichts der Absicht des Bundes, sich zügig von seinen Telekom-Aktien zu trennen, um den Haushalt doch noch verfassungskonform zu halten, ist es richtig, gerade jetzt so viel an seine Anteilseigner auszuschütten. Denn der Attraktivität einer hohen Dividendenrendite von knapp vier Prozent – das ist mehr, als deutsche Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bieten – stehen der Bund als Alteigentümer und die KfW, bei der Aktien des Staates geparkt sind, gegenüber. 1,595 Milliarden Aktien drohen in Zukunft den Markt zu überschwemmen. Das ist mehr, als er verkraften kann. Weil sich Bund und KfW aber von ihren Beständen trennen und eine gute Börsenstimmung dafür sofort nutzen werden, sichert allein eine hohe Dividende den Kurs nach unten ab.

Angesichts eines relativ gut kalkulierbaren Milliarden-Nettogewinns, einer im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern günstigen Bewertung und einer Dividendenrendite, die es mit Staatsanleihen aufnehmen kann, muss niemand einen Kurseinbruch der T-Aktie befürchten. Selbst dann nicht, wenn der Alteigentümer seine Aktien wie Sauerbier anbietet, weil er im Gegensatz zur Telekom seine Schulden nicht in den Griff bekommt.

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