Bei der Übernahme von Gold Fields gibt es nur Verlierer
Kampf bis aufs Blut

Wenn ein Unternehmen seinem größeren Lokalrivalen und Erzfeind ein feindliches Übernahmeangebot unterbreitet, fliegen häufig die Fetzen. Dass der Zwist zwischen den beiden südafrikanischen Goldproduzenten Harmony und Gold Fields indes soviel böses Blut schaffen würde, hätte kaum jemand erwartet. Nicht nur die Anleger, sondern auch die meisten Analysten sind jedenfalls reichlich verwirrt – und hochgradig verärgert.

HB JOHANNESBURG. Vieles deutet nämlich darauf hin, dass der Versuch von Harmony, durch die Übernahme von Gold Fields zum weltweit größten Goldproduzenten zu avancieren, womöglich ein Pyrrhussieg wird. Seit Bekanntgabe der gut sieben Milliarden Dollar teuren Offerte vor zwei Monaten haben die beide Konzerne zusammen über 14 Milliarden Rand an Aktienkapital verloren – umgerechnet fast zwei Milliarden Euro. Und – schlimmer noch – beim gegenwärtigen Patt deutet wenig auf eine schnelle Lösung des Konflikts hin.

Trotz des hohen Schadens ist der Chef der kleineren Harmony, der hemdsärmlige Bernard Swanepoel, noch immer fest davon überzeugt, durch die Übernahme von Gold Fields langfristig das Richtige für die Aktionäre beider Unternehmen zu tun. Für den Fall einer erfolgreichen Übernahme hat er mehrere hundert Millionen Dollar an Einsparungen in Aussicht gestellt, insbesondere durch den Rauswurf des Gold-Fields-Managements.

Dabei erinnert der von Swanepoel forcierte Zusammenschluss eher an einen Befreiungsschlag. Schließlich arbeiten die meisten von Harmonys Minen bei dem gegenwärtigen Rand-/Goldpreis mit Verlust. Harmony hatte in den Neunzigerjahren zahlreiche tiefe und damit unprofitable Minen aufgekauft und nach dem schweren Kursverlust des Randes damit zunächst auch gute Gewinne erzielt. Inzwischen sind diese Minen durch die starke Aufwertung des Rands in den vergangenene drei Jahren jedoch praktisch ausnahmslos in die Verlustzone gerutscht. Ein Zusammenschluss seiner teuren Minen mit den qualitativ höherwertigen Gruben von Gold Fields ist für Harmony deshalb zur Überlebensfrage geworden.

Gold Fields hat sich die barschen Annäherungsversuche seines Rivalen dennoch selbst zuzuschreiben: das gut geführte Unternehmen versäumte es zuvor lange Zeit, das russische Bergbauhaus Norilsk Nickel, seinen mit Abstand größten Einzelaktionär, für die Expansionspläne in Kanada zu begeistern. Vor zwei Wochen wurde der Plan des Gold-Fields-Managements, sämtliche außerhalb von Südafrika gelegenen Minen des Unternehmens mit denen der kanadischen Iamgold zu verschmelzen und in Nordamerika notieren zu lassen, von 51,5 Prozent seiner Aktionäre sensationell abgelehnt – dank der Allianz von Norilsk und Harmony. Durch den für Gold Fields negativen Ausgang der Abstimmung misslang gleichzeitig das Vorhaben seines Managements, die unerwünschte Übernahme durch Harmony ad acta zu legen.

Gold Fields hat inzwischen gelernt, dass es bei einem Pokerspiel wie dem gegenwärtigen Übernahmekampf, weniger auf ein gutes Blatt als vielmehr auf Nervenstärke ankommt. Um noch größeren Schaden abzuwenden, strebt das Unternehmen nach dem jüngsten Rückschlag nun offenbar eine gütliche Lösung unter Einbeziehung des Großaktionärs Norilsk Nickel an. Am Wochenende trafen sich alle Beteiligten zu mehrstündigen Gesprächen in Moskau. Harmony hat es angesichts der Finanzprobleme besonders eilig, eine Lösung zu finden.

Noch ist allerdings unklar, wie die vielen Brandherde gelöscht werden müssen. Das Zerwürfnis zwischen den Parteien ist tief. Am Ende könnte ein lange Übernahmekampf allen Beteiligten Kopf und Kragen kosten. Für risikobereite Anleger lohnt sich indes ein Blick auf die beiden Kampfhähne, allen voran auf Gold Fields. Denn nach den enormen Verlusten in den vergangenen Wochen scheinen beiden Konzerne ihr Geld wert.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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