Bei GM müssen Bond-Anleger mit einer Pleite rechnen
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Wer vor ein paar Jahren General- Motors- oder Ford-Anleihen gekauft hat, mag sich damals wegen der recht ansehnlichen Zinsen gefreut haben. Dass die größten Autohersteller der Welt und Eckpfeiler der US-Wirtschaft einmal pleite gehen könnten, schien undenkbar.

DÜSSELDORF. Kurz vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen – heute bei GM und morgen bei Ford – sieht die Börsenwelt ganz anders aus. Es gilt als sicher, dass die entsprechenden Anleihen auf Risikostatus herabgestuft werden. Bei General Motors kursierten bereits Gerüchte, der Konzern könne „Chapter 11“ anmelden, also sich zahlungsunfähig erklären.

Höchste Zeit also für Anleger zu prüfen, was sie für Papiere in ihrem Depot haben. Wurde die Anleihe vom Konzern selbst oder von der Finanztochter aufgelegt? Bei General Motors genügt dazu oft schon ein Blick auf die Laufzeiten: Anleihen vom Autokonzern selber kursieren in Europa nur mit den Fälligkeiten 2013 oder 2033. Alles was kürzer ist, stammt von der Finanztochter. Und Ford hat ohnehin alles über die Finanztochter Ford Credit aufgelegt. Wichtig dabei ist, dass beide Finanztöchter in einer besseren Lage sind als die Konzerne selbst.

Entwarnung sei Anlegern gegeben, deren Papiere nur bis 2006 laufen. Bei Ford steht die Frage nach einem Vergleich ohnehin nicht im Raum, der General-Motors-Konzern verfügt über genügend Barreserven, um zumindest in den nächsten ein bis zwei Jahren eine Pleite abzuwenden. Mehr als zwanzig Milliarden Dollar hat der weltgrößte Autoproduzent auf der hohen Kante, das reicht, um sämtliche dieses und nächstes Jahr fälligen Schulden zu bezahlen. Doch bei länger laufenden Titeln, auch wenn sie von den Finanztöchtern stammen, wird es schon kritisch. „Wir denken jetzt nur noch auf Monats-, allenfalls auf Halbjahressicht. Weiter kann keiner mehr schauen“, sagt Kreditstratege Philip Gisdakis von der Hypo-Vereinsbank.

Anleger sollten also den schlimmsten Fall mit ins Kalkül ziehen. Was geschieht, wenn General Motors – sei es auch erst in zwei oder drei Jahren – allein aus strategischen Gründen Chapter 11 anmeldet – etwa um die Gewerkschaften zu größeren Zugeständnissen zu zwingen? Dann hätte der Anleger sein Geld praktisch verloren. Er bekommt nur eine „Recovery Rate“, den Restwert, der bei Veräußerungserlösen erzielt wurde. Er beträgt häufig nur 20 Prozent des Nennwerts einer Anleihe. Bei den Finanztöchtern könnte er auch 40 Prozent erreichen, deshalb werden diese Anleihen auch noch besser bewertet.

Durchaus möglich wäre, dass nur GM Chapter 11 anmeldet, die Finanztochter aber nicht. Doch das ist nur eine mögliche Variante – und Sparer, die an ihre Altersvorsorge denken, sollten nicht damit rechnen. Mutter und Tochter sind so miteinander verkettet, dass durchaus beide fallen könnten.

Das Risiko bei GM-Anleihen mit Laufzeiten über das Jahr 2006 hinaus ist somit groß. „Der Konzern ist marode. Wenn sich da nichts tut, ist das Geld schnell verbrannt“, sagt Anleihe-Fondsmanager Dietmar Zantke von BW Asset Management, der sämtliche Ford- und GM-Papiere aus dem Fondsdepot geworfen hat. Auch wenn die Kursverluste schmerzen: Warten lohnt nicht. Wenn es erst neue Gewinnwarnungen gegeben hat und die Agenturen GM auf Junk-Status herabstufen, ist das Minus noch größer.

Etwas anders ist die Lage bei Ford. Dort sind die Belastungen nicht ganz so hoch. Bonds kürzerer Laufzeiten sollte der Anleger halten, auch wenn der Kurs zwischenzeitlich einbricht. Zwei Autokonzerne gleichzeitig lässt auch eine US-Regierung nicht pleite gehen.

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