Beim Going-Public zählt der Blick auf die Konkurrenz
Der rechte Vergleich

In der Szene gelten sie bereits als Klassiker. Gingen in den Hochzeiten des Neuen Marktes Unternehmen an die Börse, dann waren in ihren Präsentationen stets Koordinatensysteme enthalten, auf denen das betreffende Unternehmen ganz oben rechts in der Ecke zu finden war: quasi als Ausdruck größtmöglicher Chancen gepaart mit geringem Risiko. Schräg darunter oder daneben fanden sich Namen wie Microsoft, Yahoo, Intel oder SAP.

FRANKFURT/M. Die Realität holte derart absurde Darstellungen aber relativ schnell ein, so dass solche Koordinatensysteme heute verpönt sind. Bei der Suche nach vergleichbaren Unternehmen, die zur Bestimmung der so genannten Peer Group gewisse Parallelen aufweisen, herrscht inzwischen etwas mehr Realitätsnähe.

Das Problem, mit wem ein potenzieller Börsenkandidat vergleichbar ist, bleibt aber nach wie vor. Das zeigt sich aktuell bei der Suche nach der Peer Group der Postbank. Im Massengeschäft – neudeutsch Retail genannt – konkurriert sie vor allem mit den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken. Die sind jedoch erstens nicht börsennotiert und zweitens so zersplittert, dass sie als Vergleich nicht taugen.

Bleibt also nur der Blick ins Ausland, wo die Citigroup oder die Royal Bank of Scotland (RBOS) von den Analysten zum Vergleich herangezogen werden. Für die Emission der Postbank ist diese Situation ideal: Der Blick auf die ausländischen Häuser liefert den Beweis, dass die Postbank mit ihrem Geschäftsmodell gute Margen erzielen kann. Auf der anderen Seite bleibt aber genügend Distanz, weil es zwischen der Postbank und den beiden Instituten doch gehörige Unterschiede in Ausrichtung und Marktpräsenz gibt. Wären die Unterschiede geringer, könnte mancher Anleger auf die Idee kommen, dass die Citigroup- oder die RBOS-Aktie das lukrativere Investment darstellen. So aber besteht diese Gefahr kaum.

Beim Halbleiter-Unternehmen X-Fab, das als erster Kandidat in diesem Jahr an die Börse strebte, war hingegen zu viel Vergleichbarkeit einer der vielen Gründe dafür, dass die Emission verschoben wurde. Bei Investoren war stets zu hören, dass mit der Dortmunder Elmos Semiconductor bereits ein in vielen Bereichen vergleichbares Unternehmen gelistet sei, das „einen exzellenten Job“ mache. Warum also X-Fab zeichnen, wenn statt dessen auch Elmos-Papiere zu bekommen sind, war die gerne gestellte Frage – zumal Elmos bereits im TecDax gelistet ist und allein deswegen einen anderen Stellenwert hat.

Aber auch zu wenig Vergleichbarkeit schadet. Beispiel: ATU Autoteile Unger. Für die Werkstattkette mit angeschlossenem Zubehörhandel gab es in unmittelbarer Nähe an der Börse kaum etwas, was sich vergleichen ließ. Lediglich ein Unternehmen namens Mekonomen aus Schweden oder die US-Kette Pep Boys boten sich an. Die sind jedoch lediglich regional aufgestellt und insofern keine Konkurrenz für ATU. Auch sind die Märkte dort und hier kaum miteinander vergleichbar.

Also musste ein neuer Ansatz her, um die Chancen für ATU richtig einschätzen zu können. Flächendeckendes Filialnetz mit Ausrichtung auf den Massenmarkt, hieß die Zauberformel. Plötzlich zogen Analysten Parallelen zur Parfümeriekette Douglas, was nicht nur unter potenziellen Investoren für Heiterkeit sorgte. Das Ende der Geschichte ist schnell erzählt: Auch ATU fiel bei den Investoren durch. Vermutlich auch, weil sich für die Peer Group nicht die geeigneten Kandidaten fanden.

Für künftige Börsenkandidaten – in diesem Jahr sollen ja noch einige in der Warteschleife stehen – gilt also neben Faktoren wie Geschäftsmodell, Wachstumschancen und Qualität des Managements vor allem eines: Zu viel Vergleichbarkeit schadet, zu wenig aber auch.

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