Berkshire Hathaway
Zweite Chance für Buffett

Der Name Wal-Mart löst beim amerikanischen Mulitmilliardär Warren Buffett schmerzhafte Erinnerungen aus. Vor vielen Jahren entschied der legendäre Investor sich nach langem Überlegen dagegen, Aktien des US-Handelskonzerns zu kaufen. „Dadurch sind mir bis heute zehn Milliarden Dollar Gewinn entgangen“, sagte Buffett 2004 bei der Hauptversammlung seiner Anlageholding Berkshire Hathaway.

HB NEW YORK. Jetzt wittert Buffett offenbar eine zweite Chance. Denn er hat Wal-Mart-Aktien im Wert von mehr einer Mrd. Dollar gekauft. Als Buffetts neues Investment vor wenigen Tagen durch eine Pflichtmitteilung von Berkshire Hathaway an die US-Börsenaufsicht bekannt wurde, sprang Wal-Marts Aktienkurs prompt nach oben. Denn zahlreiche Investoren folgen der Anlagestrategie des großen Meisters blind. Im Fall Wal-Mart haben Investoren mit langem Atem eine gute Chance, dass Buffett – und damit auch sie – richtig liegen.

Denn Wal-Mart erfüllt ein wichtiges Kriterium, das der 75-jährige Buffett zur Auswahl von Gewinneraktien einsetzt: Der Händler hat einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil – seine niedrigen Preise. Durch seine Größe, seine moderne Lager- und Vertriebssysteme und seine akribische Datenauswertung kann Wal-Mart seine Waren billiger anbieten als fast jedes andere Unternehmen. Diesen Vorteil erkannte Buffett schon vor Jahren. Trotzdem schreckte er damals vor dem Kauf zurück, weil Wal-Mart ein anderes zentrales Anlagekriterium nicht erfüllte – den richtigen Preis. Billig ist die Aktie des Billighändlers auch heute nicht – mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,8 bezogen auf die Gewinnprognosen fürs nächste Jahr.

Aber Buffett erklärt als eine seiner wichtigsten Lehren nach mehr als 50 Jahren Anlageerfahrung, dass einige, wenige Ausnahmeunternehmen einen überdurchschnittlichen Preis Wert sein können. Nachdem die Wal-Mart-Aktie von 60 Dollar im Frühjahr auf zeitweise unter 45 Dollar abrutschte, griff Buffett zu. Inzwischen notieren die Titel wieder über 50 Dollar, und Buffett hat bereits mehr als 125 Mill. Dollar verdient.

Hinter den zwischenzeitlichen Kursverlusten der Wal-Mart-Aktie steckt wachsende öffentliche Kritik, die der weltgrößte Handelskonzern auf dem US-Heimatmarkt einstecken muss. Der Gigant mit 285 Mrd. Dollar Umsatz und 1,6 Mill. meist unausgebildeten Beschäftigten gilt seinen Kritikern als Ausbeuter, der niedrige Löhne zahlt und durch seine billigen Importe aus China Arbeitsplätze bei amerikanischen Zulieferern vernichtet.

Langfristig dürfte jedoch weder Wal-Marts Imageproblem, noch die Sorge um die US-Verbraucher eine allzu große Belastung darstellen. Falls den Konsumten das Geld knapp wird, werden viele Einkäufer von teureren Supermarktketten zu Wal-Mart abwandern. Außerhalb der intellektuellen Zirkel in den US-Großstädten interessiert die Imagedebatte zudem kaum jemanden.

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