Berliner Zoo
Mit Knut auf Renditejagd?

Er ist 16 Wochen alt, knapp zehn Kilogramm schwer und hat ein weltweites Fanpublikum. Das Eisbärbaby „Knut“ hält Berlin in Atem.

FRANKFURT. Nicht weniger als 500 Journalisten gaben dem tapsigen Bären bei seiner offiziellen Vorstellung am Freitag die Ehre, am Wochenende strömten 30 000 Besucher in den Berliner Zoo. Auch die Polit-Prominenz gab sich die Ehre – allen voran Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der die Patenschaft für Knut übernahm und ihn zur Symbolfigur für den Kampf gegen die Klimakatastrophe beförderte.

Ein riesiges öffentliches Interesse gepaart mit einem direkten Bezug zum Megathema Klimawandel? Da müssen in den Marketing-Abteilungen der Banken und insbesondere bei den Zertifikate-Emittenten, die im Wochenrhythmus neue Trends besetzen, die Alarmglocken schrillen. Aber wie macht man einen Eisbären handelbar? Eine Verbriefung scheint ebenso auszufallen wie die Ausgabe von Bezugsrechten. Und einer Versteigerung von Knuddelzertifikaten dürften weder der Zoo noch die Tierschutzverbände zustimmen.

Bleibt eigentlich nur ein Direktinvestment in den Tiergarten. Und hier macht ein Blick auf die Kurslisten der Berliner Börse Mut. Denn der Hauptstadt-Zoo ist dort notiert. Unter den Wertpapierkennnummern 503 180 und 503 186 finden Anleger gleich zwei Papiere: die „Zoologischer Garten Berlin AG Namensaktie mit Aquarium“ und die „Zoologischer Garten Berlin AG Namensaktie ohne Aquarium“.

Bereits seit 1844 ist der Berliner Zoo börsennotiert, von den Höchstkursen bei 11 000 Punkten sind seine Aktien allerdings weit entfernt. Aktuell kostet das liquidere Papier mit Aquarium 2150 Euro. Angesteckt von der Euphorie um Knuddel-Knut stieg die Aktie gestern aber um mehr als vier Prozent. Optimisten setzen darauf, dass der bärige Star die Erlöse des Tiergartens in neue Dimensionen treibt. Angeblich hat sich der Zoo – ungeachtet möglicher Klagen eines schwedischen Möbelhauses – den Namen „Knut“ bereits schützen lassen. Bald schon wollen die Berliner „tolle Knut-Produkte“ herausbringen.

Schon kursieren Gerüchte, was der Zoo mit den Einnahmen anstellen wird. Eine Ausschüttung an die Aktionäre wäre eine Variante – bisher erhalten die Anteilseigner anstatt einer Dividende freien Eintritt. Aber auch Übernahmen könnten schnell ein Thema werden. Immerhin gibt es im Osten Berlins noch den Tierpark Friedrichsfelde, der sich als Fusionspartner geradezu aufdrängen würde.

Leider hat die Zoo-Berlin-Aktie einen entscheidenden Nachteil. Das Grundkapital der Gesellschaft besteht lediglich aus 4000 Papieren. Und die befinden sich zu großen Teilen seit Jahrzehnten im Besitz alteingesessener Berliner Familien, die sie von Generation zu Generation vererben. An der Börse gehen im Schnitt pro Jahr nur rund 100 Stück um. Für Anleger, die am Knut-Boom verdienen wollen, sind das äußerst schlechte Voraussetzungen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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