Biospritaktien: Die Börse hat das E10-Dilemma vorhergesehen

Biospritaktien
Die Börse hat das E10-Dilemma vorhergesehen

Schon vor fünf Jahren galt Biosprit als Wunderwaffe gegen den steigenden Ölpreis. Doch in den meisten Fällen ging es an der Börse rapide bergab. Mit der Diskussion um E10 stehen die Biospritunternehmen wieder im Fokus.
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FrankfurtEs war ein heißer Herbst damals: Im Jahr 2006 galt Biosprit als Wunderwaffe im Kampf gegen den steigenden Ölpreis und die Abhängigkeit von Opec & Co. Ein Hersteller nach dem anderen kam an die Börse. Nach dem Erfolg von Windkraft- und Solaranbietern sollte es eine dritte Welle geben aus dem Bereich der regenerativen Energien. So versprachen es die begleitenden Banken und so erhofften es sich Unternehmen wie Verbio, Crop Energies, Petrotec oder BDI Bioenergy.

Heute ragt am Aktienmarkt bestenfalls die Südzucker-Tochter Crop heraus, weil ihr Kurs aktuell nur 27 Prozent unter dem Ausgabepreis von damals notiert. Die anderen drei Genannten bewegen sich im Bereich von minus 60 bis minus 90 Prozent.

Zwar hat die Diskussion um die Einführung des umstrittenen Superbenzins E10 in den vergangenen Wochen die Lage etwas entspannt - die Kurse konnten etwas zulegen. Das war jedoch weitgehend abhängig von den Durchhalteparolen von Politik und Industrie. Kamen neue Hiobsbotschaften von sich verweigernden Autofahrern, sanken sie umgehend wieder.

Der Aktienmarkt macht die Probleme des Biosprits deutlich

Wer vor der Einführung des neuen Biosprits die Frage klären wollte, wie dieser in der Bevölkerung angenommen würde, dem hätte ein Blick auf den Aktienmarkt helfen können. Mit den Biospritaktien ging es nämlich in den meisten Fällen schon ein halbes Jahr nach dem Börsenstart rapide bergab.

Die hohen Erwartungen konnten nicht erfüllt werden. Bereits damals war klar, dass der Erfolg des Geschäfts von einer gesetzlichen Mindestquote abhängen würde, die irgendwann kommen sollte. Als Vorbilder galten stets Länder wie die USA oder Brasilien, wo man angeblich schon weiter war.

Heute führen selbst die beiden Marktführer Verbio und Crop Energies ein Nischendasein am Aktienmarkt. Beide sind in keinem Index vertreten, so dass die Wahrnehmung von vornherein beschränkt ist.

In den vergangenen Tagen waren es dann die Zocker, die ohne Blick auf die Unternehmen von der Diskussion um E10 angezogen wurden. Außerdem hat bei Crop Energies Finanzvorstand Joachim Lutz Anfang März Aktien für knapp 9.500 Euro gekauft, nachdem er einen Monat vorher schon mal deutlich günstiger für über 8.800 Euro zugegriffen hatte.

Die Aktien der Biospritunternehmen sind durch die jüngste Diskussion um E10 wieder ins Blickfeld der Börse gelangt. Doch zugegriffen haben bisher nur die Zocker. Langfristig orientierte Anleger, interessiert an der Branche und deren Perspektiven, sind nicht dabei und werden es wohl auch in Zukunft nicht sein. Daran hat auch der Biospritgipfel nichts geändert.

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  • You are missing the fact that Verbio produces Biogas very cheaply and is now ramping production up significantly. Verbio should double earnings twice within the next two years. Besides that the airlines are now interested in Biofuels and drivers are very slowly but surely tanking more E10.

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