Bizarres Gerangel
DEWB-Aktie wird zum Spielball der Spekulanten

Stellen Sie sich vor, Sie füllen ein Kilogramm Reis in einen Sack mit derselben Sorte, rühren kräftig um und müssten genau dieses Kilo anschließend wieder herausfiltern. Vor ungefähr diesem Problem steht die Jenoptik AG im Abfindungsstreit mit den freien Aktionären der Deutschen Effecten Wechsel- und Beteiligungs AG (DEWB).

Im Jahre 1997 kaufte Jenoptik 99 Prozent der Aktien des Beteiligungsunternehmens von der Industriellenfamilie Voith. Den freien Aktionären wurde danach eine Abfindung von 26,51 Euro angeboten. Das war einigen Anteilseignern zu wenig. Sie strengten ein Spruchstellenverfahren an, das bis heute nicht entschieden und mittlerweile Gegenstand eines bizarren Streits geworden ist. Im Zuge des Börsenbooms zum Jahrtausendwechsel stieg der Kurs der DEWB-Aktie aber zunächst bis auf 67 Euro im Jahr 2000. Grund genug für das Jenoptik-Management, einen Teil der DEWB-Aktien wieder zu verkaufen und gleichzeitig das Kapital mehrmals zu erhöhen. Heute befinden sich 5,22 Millionen Aktien in Streubesitz. Das sind über 30 Prozent.

Dumm nur, dass Lothar Späth, damals Chef, und Alexander von Witzleben, heute Chef bei Jenoptik, vergaßen, die jungen Aktien mit einer eigenen Wertpapierkennnummer zu versehen, damit sie diese von den 70 000 abfindungsberechtigten Altaktien hätten unterscheiden können.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Aktionär auf die Idee kam, Späth und Witzleben um seine Abfindung zu bitten. Schließlich hatte er die Aktien mit der dafür notwendigen Kennung 804 100 in seinem Depot. Als die Jenoptik-Führung seinem Ansinnen nicht entsprach, verklagte er das Unternehmen und das Oberlandesgericht Jena urteilte in seinem Sinne: Durch das Verhalten von Jenoptik sei den Aktionären die Beweisführung unmöglich gemacht worden, da das Unternehmen die verschiedenen Aktien „vermengt“ habe.

Die Folgen des Richterspruchs sind gravierend, denn damit könnten nun alle freien DEWB-Aktionäre auf eine Abfindung pochen. Dem Großaktionär Jenoptik drohen damit Zahlungsverpflichtungen von bis zu 170 Mill. Euro. Das entspricht immerhin dem Fünffachen des letztes Jahresgewinns, was den Jenaer Technologiekonzern mit Sicherheit an den Rand einer Pleite drängen würde.

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