Börse bestraft Mischkonzerne
Was Linde lehrt

Mit der Übernahme der britischen BOC und dem Verkauf der Gabelstapler-Sparte an den US-Investor Kohlberg Kravis Roberts hat Linde endgültig geschafft, was Anleger und Analysten seit Jahren gefordert haben.

DÜSSELDORF. Schritt für Schritt hat sich der Konzern von seinen Randaktivitäten getrennt und sich immer mehr auf sein Hauptgeschäft konzentriert. Inzwischen ist das Unternehmen der größte Gasehersteller der Welt. Auch die Aktie hat profitiert: Seit dem Verkauf der Kältetechniksparte vor über zwei Jahren hat das Papier seinen Wert fast verdoppelt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg im selben Zeitraum nur um 60 Prozent an.

Das gute Abschneiden der Anteilsscheine von Linde liegt auch an dem so genannten Konglomeratsabschlag, der in den Jahren zuvor auf dem Papier lastete. Seitdem Schlagworte wie „Kernkompetenz“ immer mehr in den Fokus der Analysten und Anleger rücken, sind Mischkonzerne an der Börse eher unbeliebt. Komplizierte Unternehmensstrukturen fallen aus den gängigen Bewertungsmodellen, die Risiken sind nur schwer zu kalkulieren und vergleichbare Firmen rar gesät. Die Börse bestraft die Aktien der Mischkonzerne daher mit Abschlägen, die bis zu 30 Prozent erreichen.

Beginnen derartige Unternehmen also, sich wieder auf das Ursprungsgeschäft zu konzentrieren, wird das an der Börse honoriert – zumindest in Europa. Denn in den USA oder Asien werden Mischkonzerne durchaus positiv gesehen. Und das auch zurecht, besagt eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Die Unternehmensberater haben weltweit das Abschneiden von 300 Unternehmen an der Börse analysiert. Mit dabei waren Mischkonzerne mit mindestens drei getrennten Geschäftsfeldern, nur leicht diversifizierte Unternehmen und auf nur eine Sparte spezialisierte Betriebe. Laut der Untersuchung lief langfristig mehr als die Hälfte der Unternehmen mit drei oder mehr Geschäftfeldern besser als der Marktdurchschnitt.

Die Investoren in Asien und Amerika haben dies offenbar bereits erkannt. Gemessen an der Erwartungsprämie – der Differenz zwischen Markt- und Fundamentalwert eines Unternehmens – werden die Mischkonzerne dort sogar höher bewertet als andere. Nur die Europäer halten an ihren Abschlägen fest.

Für Anleger bedeutet dies vor allem eins: Eine Investition in gesunde, aussichtsreiche europäische Mischkonzerne wie Thyssen-Krupp, Philips oder den französische Versorger Veolia Environnement kann sich durchaus lohnen.

Denn verlieren können die Investoren kaum. Entweder konzentrieren sich die Unternehmen stärker auf ihre Hauptgeschäftsfelder und die Kurse ziehen an. Mit etwas Glück nimmt in Zukunft auch einfach die Skepsis vor Mischkonzernen in Europa generell ab. Dann winken ebenfalls Kursgewinne – auch ohne langwierige Verkaufsprozesse.

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