Börsenabschied kleiner Firmen kann sich lohnen
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Lang, lang ist’s her, dass in Deutschland nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Anzahl der Börsengänge in die Höhe schoss. Im Jahr 2003 entschloss sich kein einziges Unternehmen für eine Börsennotierung, einer Aufstellung der Deka-Bank zufolge gab es in den vergangenen vier Jahren nur 31 erfolgreiche IPOs. Dafür haben sich seit 2000 insgesamt 177 inländische Unternehmen von der Börse verabschiedet.

HB DÜSSELDORF. Und es werden noch viel mehr mehr oder weniger leise „Servus“ sagen – jedenfalls wenn es nach einer Studie der Hfb-Business School of Finance and Management in Frankfurt geht. Die Rechtsanwälte Christoph Schalast, Professor für Jura an der HfB, und Kay-Michael Schanz haben 174 Unternehmen mit Sitz in der Bundesrepublik im Prime Standard untersucht, die in keinem der großen Indizes verzeichnet sind und sich nicht im Insolvenzverfahren befinden. Das harte Urteil der beiden Experten: Für den „deutlich überwiegenden Teil“ ergibt eine Börsennotierung keinen Sinn.

Die Marktkapitalisierung der untersuchten Unternehmen umfasst bedeutungslose 1,9 Prozent des Gesamtmarktes. Bei rund 70 Prozent sind weniger als die Hälfte der Aktien im Streubesitz. Die Mehrzahl verfüge „nicht annähernd über eine angemessene Liquidität“, bei neun von zehn Firmen belaufe sich der monatliche Börsenumsatz auf weniger als 250 000 Euro. Und auch die Analysten interessieren sich nicht für sie: Nur ein Sechstel wird von mehr als drei Analysten gecovert.

Die Hoffnung auf eine leichtere Finanzierung hat viele kleine Unternehmen in der Boom-Phase an den Markt getrieben. Doch die Hoffnung wurde enttäuscht. Schlimmer noch: Statt sich nun dank einer hohen Bewertung leichter finanzieren zu können, leiden die Firmen unter einer zu niedrigen Bewertung, weil der Markt sie falsch oder gar nicht wahrnimmt.

Das Problem ist die Kursfindung. Sie hat sich vom tatsächlichen fundamentalen Hintergrund der Firmen abgekoppelt und ist dem Zufall unterworfen. Die Bewertung wird von minimalem Angebot und minimaler Nachfrage getrieben – unter minimaler Transparenz, da die Expertise der Analysten den Anlegern nicht zur Verfügung steht.

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