Börsenentwicklung
Weder Crash noch Boom

Kennen Sie das Dilemma? Da laufen die Börsen genau so, wie Experten es prophezeien, doch gerade das macht stutzig. Schließlich lehrt die Erfahrung: Kurse verhalten sich nicht so, wie alle erwarten. Sonst wäre die Börse eine Gelddruckmaschine, und Anleger könnten schon heute ihre Weltreise von morgen buchen. Die letzten Wochen sind dafür ein markantes Beispiel.

DÜSSELDORF. Monatelang warteten Anleger auf die Korrektur, getreu dem Motto, dass sich der Aufschwung nur mit einem Rücksetzer solide untermauern lässt. Jetzt kam es endlich dazu. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel innerhalb von zwei Wochen um acht Prozent. Anschließend drehten die Kurse mustergültig nach oben. Genauso wie im Frühjahr vergangenen Jahres. Nach der erhofften und notwendigen Korrektur geht die Rally also weiter. Wie im letzten Jahr

.

Wirklich? Was so eindeutig scheint, lässt sich auch anders interpretieren. Zweifel bleiben, ob Anleger die Probleme der Weltwirtschaft mit diesem kleinen Rücksetzer ausreichend gewürdigt haben. Schließlich ist die seit Jahren beschriebene und jetzt erstmals präsente Immobilienblase in den USA eine echte Gefahr für die Konjunktur. Die von Ex-Notenbankchef Alan Greenspan befürchtete Rezession – immerhin beziffert er die Wahrscheinlichkeit mit 30 Prozent – rundet das negative Szenario ab. Nicht minder sorgenvoll stimmt die vage Äußerung seines Nachfolgers, der Unsicherheiten für die US-Wirtschaft hervorhebt. Als ob sich Ben Bernanke im Nachhinein vom Altmeister überzeugen ließ.

Schließlich schlug er vor den Äußerungen Greenspans noch optimistischere Töne an. Wie dem auch sei, Wolken am Horizont sind unverkennbar. Ständige Favoritenwechsel in den Indizes, heftige Kursreaktionen nach Gerüchten, Spekulationen und Fusionsabsichten rund um die Autobauer und Versorger sind ein typisches Indiz dafür, dass der lange Börsenaufschwung einen Großteil seiner Strecke hinter sich hat.

Aber: Nicht jede Rally endet in einem Absturz. Anders als uns die jüngste Vergangenheit lehrt, als nach der Jahrtausendwende der Boom im Crash mündete, erscheinen diesmal Szenarien wahrscheinlicher, wonach die Unternehmensgewinne künftig weniger dynamisch steigen, bisweilen stagnieren, in Einzelfällen sogar sinken, aber keinesfalls einbrechen. Dasselbe gilt für die Börsen: Seitwärts nach vier Jahren rasantem Anstieg, so lautet die wahrscheinlichste Variante angesichts solider Bilanzen, hoher Gewinne, geringer Verschuldung, aber einer künftig schwierigeren Weltwirtschaft.

Insofern ist die jüngste heftige, aber kurze Korrektur und der ebenso heftige Kursanstieg wieder auf das ursprüngliche Niveau womöglich gar keine Zwischenepisode. Vielmehr bietet die Börse damit den Vorgeschmack auf künftige Zeiten: unruhiger, uneinheitlicher und vor allem unberechenbarer. Weder Crash noch neue Höchstkurse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%