Börsengänge
Zu hoch gegriffen

Der Türöffner bei den Mega-Börsengängen ist da. Das Düsseldorfer Telekom-Unternehmen Versatel ist am Freitag zum Preis von 29 Euro an der Börse gestartet. Unter die Freude über den Erfolg mischt sich aber auch Missmut.

FRANKFURT. Versatel ist mit einem Emissionsvolumen von 829 Millionen Euro das erste Unternehmen in diesem Jahr, das an die magische Grenze von einer Milliarde Euro halbwegs heranreicht. Schließlich soll in dieser Größenordnung noch etwa ein Dutzend folgen. Da wäre es fatal gewesen, wäre gleich der erste Börsengang gescheitert.

Dennoch mischt sich unter die Freude über den Erfolg auch Missmut. Oder branchenspezifisch ausgedrückt: Da war ein Knacken im Hörer. Denn darüber, ob der Börsengang ein Erfolg oder ein Misserfolg war, gingen die Meinungen auseinander.

Klar, wenn eine Aktie zu 29 Euro und damit am untersten Ende der Preisspanne von 29 bis 36 an den Markt kommt, dann weckt dies auf den ersten Blick immer den Eindruck des Misserfolgs. Ein Misserfolg war es auch auf den zweiten Blick, wollte doch das Management um den charismatischen Vorstandschef Peer Knauer netto mindestens 450 Millionen Euro erlösen; nun sind es bei 14 Millionen neuer Aktien 406 Millionen Euro, also knapp zehn Prozent weniger.

Wer noch einen dritten Blick wagt, der sieht, dass alles weitaus besser aussieht, als es die ersten beiden Indizien zeigen. Für die Summe von 450 Millionen Euro, die der Börsengang dem Unternehmen letztlich in die Kassen spülen sollte, wollte man ursprünglich bis zu 20 Millionen Aktien einsetzen. Ein Aktienpreis von 22,50 Euro wäre dafür im schlechtesten Fall herausgekommen. Statt 1,3 Milliarden Euro wäre Versatel an der Börse fast ein Viertel weniger wert gewesen. Insofern ist das jetzt erreichte Ergebnis für Versatel ein Erfolg, kein Misserfolg.

Management und Banken kann man jedoch vorhalten, dass sie, als sie nach einer Woche internationaler Roadshow bei Investoren die Preisspanne festlegten, von der guten Resonanz euphorisiert waren und deshalb zu hoch gegriffen haben. Das bekamen am Freitag sogleich die Anleger zu spüren, als die Aktie im Tagesverlauf um bis zu sechs Prozent absackte. Die für sie interessante Frage, was vorerst an Kurssteigerungen noch drin ist, ist damit eindrucksvoll beantwortet: reichlich wenig.

Nun lässt sich Management und Banken nicht vorwerfen, dass sie finanziell das Äußerste für den Börsenkandidaten herausholen wollen. Schließlich gab es offensichtlich genügend Investoren, die bereit waren, für Versatel 29 Euro pro Aktie zu bezahlen. Die boten vorsichtshalber jedoch schon den kleinstmöglichen Preis, weil sie wussten, wie sehr dieser bereits eine günstige Entwicklung in der Zukunft enthält.

Um am Aktienmarkt langfristig überzeugen zu können, muss Versatel nun zuallererst sein Netz ausbauen. Im Moment erreichen die Düsseldorfer mit ihren äußerst günstigen Konditionen gerade mal jeden fünften der rund 40 Millionen deutschen Haushalte. Erst wenn Versatel hier in die Breite geht, hat der Kurs deutliches Potenzial.

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