Börsengang mit Pannen
Hochtief will von eigenen Fehlern ablenken

Hochtief schiebt das Scheitern des Concessions-Börsengangs auf die unsichere Lage an den Finanzmärkten. Dabei will man nur von eigenen Fehlern ablenken - die hat das Unternehmen gleich mehrfach gemacht.

Dubai soll also am Ende Schuld gewesen sein, dass die Hochtief-Tochter Concessions am Donnerstagabend ihren für Freitag geplanten Börsengang kurzfristig abgesagt hat. Die Zahlungsschwierigkeiten des kleinen Golf-Staates wurden vor knapp anderthalb Wochen bekannt, mitten in der Zeichnungsfrist für die über 39 Mio. Concessions-Aktien.

Wer so argumentiert, der will von den vielen hausgemachten Problemen ablenken, die am Ende dazu geführt haben, dass sich der größte Börsengang in Deutschland seit über zwei Jahren quasi selbst entleibt hat. Der Dubai-Schock war an den Börsen schließlich schon nach wenigen Tagen kaum noch zu spüren. Die Aktie der Mutter Hochtief hat in dieser Zeit jedoch gut neun Prozent an Wert verloren. Dafür fallen fünf Fehler auf, die man bei anderer Planung hätte vermeiden können.

Fehler 1

Mit der Citi, der Deutschen Bank und Goldman Sachs ließ man drei absolute "Alphatiere" der Branche das Konsortium anführen. Konflikte waren dabei von vornherein programmiert, geht es doch stets auch darum, wer sich mit seinen Ansichten durchsetzt. Und die können völlig konträr sein. Die Experten der Deutschen Bank präferieren beispielsweise das so genannte "Decoupled Bookbuilding", also eine kurze Zeichnungsfrist nach einer ausführlichen Roadshow, Goldman Sachs steht dagegen für das traditionelle Verfahren mit einer langen Zeichnungsfrist. Die gab es dann auch.

Hinzu kamen weitere neun Banken, die ebenfalls in verschiedenen Funktionen dem Konsortium angehören und mitreden wollen, so dass die Gesamtzahl auf zwölf anwächst. Beim Hamburger Hafen, dem letzten Milliarden-Börsengang vor über zwei Jahren, gehörten sieben Banken dem Konsortium an, darunter viele direkt vor der Haustür wie M.M. Warburg, die Hamburger Sparkasse, die HSH Nordbank und die Berenberg Bank. Concessions hat dagegen ein sehr internationales Gremium zusammengestellt.

Fehler 2

Die Zeichnungsfrist von zwei Wochen ist extem lang und in der heutigen Zeit eher untypisch. In der Regel führt dies bei den Investoren dazu, dass anderthalb Wochen erstmal wenig passiert und sie auf Zeit spielen. Während die Verkaufsseite, also Unternehmen und Banken, anfangs gelassen darauf reagiert haben, ließen sich zwei Tage vor dem Ende doch die immer zäheren Gerüchte, dass wohl gerade mal die Hälfte des Emissionsvolumens gezeichnet worden sei, kaum noch vermeiden. Die Investoren hatten damit gewonnen. Concessions blieb nur noch die Wahl, die Aktien zu einem niedrigen Ausgabepreis zu veräußern oder den Börsengang abzusagen.

Fehler 3

Den Fall, dass sich ein deutscher Börsenkandidat nicht am Finanzplatz Frankfurt den Medien präsentiert, gab es in diesem Jahrtausend noch nicht und im vergangenen nur selten. Concessions ging trotzdem diesen Weg, zum allgemeinen Missfallen der Medienvertreter. Stattdessen wurden die Details zum Börsengang relativ unvermittelt an einem Donnerstag Spätnachmittag per Presseerklärung veröffentlicht. Am Abend traf man sich anschließend in Düsseldorf mit den Medien zum Informationsaustausch. Für die Fahrt von Essen nach Düsseldorf reichte die Zeit, nach Frankfurt leider nicht.

Fehler 4

Die Mutter Hochtief wollte nach dem Börsengang 51 Prozent an der Tochter behalten. Das ist international eher unüblich und stieß deswegen bei den dortigen Investoren auf Ablehnung. Vor allem Hedge Fonds und Beteiligungsgesellschaften, die nach einer Durststrecke bei Börsengängen wieder eine bedeutende Rolle spielen, sind für solche Konstruktionen nicht zu begeistern.

Fehler 5

Der sogenannte Handel per Erscheinen, in dem Aktien bereits vor dem eigentlichen Börsengang gehandelt werden, versprach lange Zeit eine freundliche Nachfrage. Rund anderthalb Wochen während der Zeichnungsfrist verliefen die Kurse am oberen Ende der Zeichnungsfrist von 24 bis 29 Euro. Erst in den letzten Tagen kippte die Stimmung. Lange Zeit wurde damit zu viel Interesse vorgespiegelt, wo in der Realität letztendlich doch weit weniger vorhanden war. Der "Graumarkt" hat damit wieder einmal seinen Ruf als sehr wackeliger Indikator für das Interesse an Börsengängen bewiesen.

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