Börsenjahr 2008: Der große Ausverkauf

Börsenjahr 2008
Der große Ausverkauf

Das abgelaufene Börsenjahr werden die Anleger so schnell nicht vergessen. Weltweit sind die Aktienkurse abgesackt - so rasant, so kräftig wie selten zuvor. Nur wenige Experten hatten den Absturz an den Börsen vorausgesagt; nur wenige Aktien blieben von der Wucht der Finanzkrise verschont.

FRANKFURT. An der Welt-Leitbörse, der New Yorker Wall Street, wo sich das Desaster mit den in Anleihen verpackten maroden US-Hypothekenkrediten zuerst niederschlug, brachen die Kurse massiv ein. Der Standardaktienindex Dow Jones verlor in den vergangenen zwölf Monaten fast 34 Prozent auf 8 776 Zähler, der den breiteren Markt abdeckende S&P 500 gab sogar mehr als 38 Prozent seines Wertes ab. Am anderen Ende der Welt, im japanischen Tokio, sackte der Leitindex Nikkei seit Anfang 2008 um 42 Prozent auf 8 860 Punkte ab - nie zuvor in seiner 58-jährigen Geschichte büßte das Börsenbarometer mehr ein.

Kaum besser sieht die Bilanz für die Börse in Frankfurt aus. Mit einem Minus von rund 40 Prozent beim Deutschen Aktienindex (Dax) geht das Jahr 2008 nach 2002 (minus 44 Prozent) als das bislang zweitschwächste in die Geschichtsbücher ein. "So etwas wie 2008 habe ich in den 38 Jahren, in denen ich mich nun mit Börse befasse, noch nicht erlebt", sagt Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser. Ohne Beispiel waren die extremen Kursschwankungen von mehreren hundert Indexpunkten an einzelnen Handelstagen im Oktober.

Turbulent ging es auch an den Börsen der Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) zu, einst die Stars der internationalen Geldgeber. Sie konnten sich nicht - wie von vielen Experten erhofft - von der Entwicklung an den etablierten Märkten abkoppeln. Am stärksten unter den Bric-Staaten-Börsen litt Moskau. Fast 73 Prozent verlor der russische Leitindex RTS. Gleich mehrfach wurde der Handel ausgesetzt, um die Märkte zu beruhigen. Vergebens - das Chaos wurde in Moskau zum Normalzustand. Weil ausländische Investoren ihr Geld an anderer Stelle nötiger brauchten, zogen sie es hastig aus Russland und den anderen Bric-Staaten ab.

Besonders heftig hat es die kleine Börse im isländischen Reykjavik erwischt. Mehr als 90 Prozent brach der OMX Iceland 15-Index 2008 ein. Aus dem einstigen Wirtschaftswunderland ist ein Pleitekandidat geworden. Allein milliardenschwere Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) und einiger Nachbarländer haben Island vor einem Kollaps der Wirtschaft bewahrt.

Die Liste der Gewinner 2008 ist dagegen kurz. Drei Börsen schafften es nach Informationen von Bloomberg ins Plus: Tunesien, Ecuador und Spitzenreiter Ghana. 60 Prozent legte die Börse in Accra zu, währungsbereinigt in US-Dollar waren es immerhin 22 Prozent. Der Erfolg ist leicht erklärt: Weil keine ausländischen Investoren engagiert waren, konnten sie ihr Geld auch nicht abziehen. Die heimischen Anleger hielten still. An manchen Tagen gab es überhaupt keinen Handel - kein Angebot und keine Nachfrage. Wenn dann doch gehandelt wurde, lag der Umsatz häufig nicht über umgerechnet 10 000 US-Dollar. Ghanas Börse hat das große Beben an den internationalen Finanzmärkten schlichtweg verschlafen. 2008 war das keine schlechte Strategie.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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