Börsenpläne der RAG machen Degussa zum Risikowert
Zu früh gefreut

Die Börsenambitionen des Degussa-Mehrheitsaktionärs RAG sind im politischen Berlin auf Interesse gestoßen, und dies wiederum hat in Chemie- und Finanzkreisen ein Echo ausgelöst. „Manche Politiker haben doch nur verstanden: Die Ruhrkohle will an die Börse gehen und dem Bund die fünf Milliarden Euro Erlöse schenken“, spottete ein Chemiemanager gestern.

DÜSSELDORF. Immerhin lasse der aus Bochum stammende Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement begutachten, ob sich der Geldsegen aus einem Börsengang für den Bund lohne.

So ein Gutachten steht für die Aktionäre des weltgrößten Spezialchemiekonzerns Degussa noch aus. Der gehört zu 50,1 Prozent der RAG und dürfte zum Dreh- und Angelpunkt der von RAG-Chef Werner Müller ausgeheckten Transaktion werden. Mit rund sieben Milliarden Euro Börsenwert ist Degussa das fungibelste Anlagevermögen im RAG-Portfolio. Wer immer Geld für die RAG-Aktien ausgäbe, deren Verkaufserlös zur Deckung der Steinkohlerisiken dienen soll, würde den Wert der Aktie wohl am ehesten im Degussa-Paket der RAG sehen.

Denn Degussa steht im RAG-Portfolio neben einem Wohnungsbestand, dessen Marktwert sich erst noch herausstellen müsste und einer Energiesparte, auf die RAG-Mitaktionär RWE angeblich gern selbst zugreifen würde. Dann ist da noch die Steinkohleförderung, bei der sich offenbar schon niemand mehr erinnern kann, warum man sie nicht schon vor einer halben Ewigkeit dicht gemacht hat.

Degussas Verwertbarkeit hat nur einen Haken: Sie entsteht nur, wenn der RAG-Börsengang durchgeht. Und wenn die neuen Mehrheitsaktionäre der RAG, die nach Müllers Willen wohl nicht mehr Eon, RWE, und Thyssen-Krupp heißen sollen, Degussa dann auch auf eigene Füße stellen würden. Platzt aber der Deal und bleibt RAG Degussas Mehrheitseigner, ist mit dem Chemiepapier vorerst kein Staat mehr zu machen.

Derzeit hat Degussa nur sieben Prozent freie Aktionäre, die ihre Anteile als Chemieinvestment ansehen. Eon und RAG halten den Rest an Degussa aus übergeordneten Motiven. Eon hatte Degussa durch die Fusion der Holdings Veba und Viag geerbt. Für Ruhrgas hat sie über 45 Prozent der Degussa-Aktien an die RAG gezahlt, die ihren Anteil letztes Jahr auf die knappe Mehrheit aufstockte.

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