Bonds
Teure Währungsspiele

Hoher Zins bei guter Bonität - darauf stehen Anleger. Und nehmen dafür Währungsrisiken in Kauf. Emittenten mit Top-Ratings wie zum Beispiel die staatlichen Förderbanken sowie Privatbanken und Bundesländer mit guten Ratings legen schon länger Anleihen in exotischen Währungen wie türkischer Lira, südafrikanischem Rand, brasilianischem Real oder sogar kasachischen Tenge und indischer Rupie auf.

FRANKFURT. Da in diesen Ländern die Leitzinsen und die Inflation sehr viel höher sind als im Euro-Raum, bieten diese Bonds attraktive Renditen. Einjährige Lira-Bonds der KfW rentieren zum Beispiel aktuell über 18 Prozent, und Rand-Anleihen locken mit gut neun Prozent Rendite.

Das Risiko dabei sind natürlich die Schwankungen der Wechselkurse. Im vergangenen Jahr werteten die meisten Währungen gegenüber dem Euro ab. In diesem Jahr ist die Entwicklung bislang uneinheitlich; die Lira zum Beispiel hat seit Januar gegenüber dem Euro knapp drei Prozent gewonnen, der südafrikanische Rand knapp ein Prozent verloren. Die Schwankungen sind schwer vorauszusehen, und Fremdwährungsanleihen deshalb als Depotbeimischung nur für sehr risikofreudige und wachsame Privatanleger zu empfehlen.

Das gilt auch deshalb, weil beim Blick auf die schwankenden Devisenkurse der Blick auf die tatsächliche Abrechnung der Wechselkurse bei der Hausbank untergeht. Banken geben zwar aktuelle Devisenkurse als Referenz an, doch der Blick ins Kleingedruckte lohnt sich. Denn in den Preis-Leistungsverzeichnissen legen viele Banken individuelle Margen für An- und Verkauf von Devisen fest. Das ist laut Geschäftsbedingungen legal, dennoch weichen die Kurse zum Teil von den Notierungen an der Börse ab, wo skontroführende Makler enge Geld-Brief-Spannen festlegen.

So lag der Mittelkurs für einen Euro am Freitag bei 9,30 südafrikanischen Rand. Die Comdirect Bank zum Beispiel zahlt für einen Euro im Ankauf aber nur 9,07 Rand. Im Verkauf, also wenn Anleger den Rand in Euro tauschen wollen, legte die Comdirect Bank mit 9,53 Rand je Euro einen deutlich niedrigeren Rand-Kurs zu Grunde. Das macht sich vor allem bei größeren Anlagesummen bemerkbar. Anleger, die etwa am Freitag bei der Comdirect Bank eine Anleihe über 100 000 Rand in Euro einlösten, bekamen nur 10 493 Euro gutgeschrieben.

An der Börse konnten Anleger in diesem Beispiel ihre Rand-Anleihe dagegen dank der engeren Geld-Brief-Spannen nach Angabe von Maklern zum Kurs von 9,31 Rand in Euro tauschen und bekamen so für ihre 100 000 Rand 10 741 Euro. Abgezogen davon werden die Gebühren der Hausbank für den Börsenhandel und die börsenplatzabhängigen Entgelte. Die sind laut Maklern relativ gering, und Anleger hätten rund 10 700 Euro für eine Anleihe über 100 000 Rand bekommen.

Fazit: Bevor Anleger sich eine Anleihe von ihrer Hausbank auszahlen lassen, lohnt sich ein Vergleich. Oft ist es günstiger, die Bonds kurz vor der Fälligkeit über die Börse zu verkaufen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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