Branche hat ihre Reserven verloren
Versicherer bleiben unsicher

Versicherer galten einst als sichere Anlage. Das ist längst vorbei: Seitdem die Branche durch Terror und Aktienbaisse in die Krise geraten ist, schwanken die Kurse heftig. Geblieben ist eins: Die Aktien der Assekuranz hängen eng mit dem allgemeinen Börsentrend zusammen – weil die Kapitalgewinne sehr wichtig für die Versicherer sind. Doch früher haben Allianz & Co. den allgemeinen Trend eher geglättet. In den vergangenen zwölf Monaten hingegen wirkten sie zeitweise wie Optionsscheine auf den Dax.

DÜSSELDORF. Ist diese Nervosität ein vorübergehendes Phänomen? Oder bleiben Versicherungsaktien auf Dauer relativ risikoreiche Papiere?

Eine Erholung und Beruhigung der Börsen hilft der Branche ohne Zweifel. Sollte sie sich als dauerhaft erweisen, werden die Sorgen um ihre Kapitalanlagen in den Hintergrund treten. Dennoch: So wie früher wird es auch nicht wieder.

Zum einen hat die Branche enorm an Kapital verloren. Früher warfen ihr Analysten vor, zu viel überschüssige Reserven zu bunkern. Derartiger Kapitalüberfluss, wie er zum Beispiel für die Münchener Rück typisch war, drückt die Rendite: zu viel Einsatz, zu wenig Ertrag. Sparsamerer Kapitaleinsatz, wie ihn etwa die Hannover Rück vorgelebt hat, findet daher bei Analysten mehr Zustimmung. Kapitalüberfluss dämpft aber nicht nur die Rentabilität, sondern bietet auch Sicherheit. So war es kein Wunder, dass die Aktien der Branche als langweilig, aber recht sicher galten.

Doch damit ist es vorbei. Die Branche hat ihre Reserven verloren. Viele Unternehmen stehen unter Druck der Ratingagenturen, weil ihre Kapitaldecke zu dünn geworden ist. Die Versicherer haben über den Kapitalmarkt zwar Milliarden aufgenommen. Doch selbst bei sehr guter Börse ist der frühere Geldüberfluss in weite Ferne gerückt.

Hinzu kommt ein anderer Effekt: Mehr und mehr gehen die Versicherer auf die Rechnungslegung nach internationalem Standard (IAS) über. Nach und nach werden dabei Wertschwankungen immer deutlicher in der Bilanz und in den ausgewiesenen Gewinnen sichtbar. Versteckte Reserven, mit denen sich Ergebnisse glätten ließen, verschwinden.

In den kommenden Jahren könnten die Aktien der Branche daher noch eine Weile unter Druck stehen, bis sie mit ihrem neuen, risikoreicheren Profil voll vom Markt akzeptiert sind. Aber gerade diese Phase eröffnet günstige Einstiegschancen. Wichtig ist es jedoch, die Risiken genau zu analysieren. Die Schweizer Rück bietet eine Mischung aus Sach- und Lebengeschäft und damit eine gewisse Risikomischung. Die Münchener Rück verteilt das Risiko aufs Erst- und Rückversicherungsgeschäft. ING, Fortis und Allianz stehen auf den zwei Säulen Versicherungs- und Bankgeschäft. Leider funktionieren solche Mischungen nicht immer so, dass der eine Markt boomt, wenn der andere durchhängt.

Nicht zu vergessen ist auch, dass in der Branche einige Risiken schwer zu durchschauen sind. Manche Rückversicherer geben einen hohen Anteil des Geschäfts weiter an andere Rückversicherer. Wenn es knallt und einer dieser „Retro“-Rückversicherer kann nicht zahlen, erwischt es auch den, der weiter vorn in der Reihe steht. Häuser mit dünner Kapitaldecke, wie die Hannover Rück, könnten auch von dieser Seite gefährdet sein.

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