Brasilianischer Brauereikonzern überzeugt mit hoher Produktivität
Ambev plagen wenig Sorgen

Brasiliens Brauer und Getränkekonzern Ambev überzeugt mit seinen Produktivitätszahlen ebenso wie beim Marketing. Wie die Umsätze stagniert der Kurs der Aktie zwar schon seit über drei Monaten auf hohem Niveau, doch es besteht noch großes Potenzial.

SAO PAULO. Bereits vor vier Jahren wappneten sich die beiden größten brasilianischen Brauereien Brahma und Antartica gegen eine feindliche Übernahme, indem sie zur American Beverages (Ambev) fusionierten. Sowohl Heineken als auch Anheuser-Busch hatten bereits die Fühler nach Brasilien ausgestreckt, dem viertgrößten Biermarkt der Welt nach den USA, China und Deutschland. Die fusionierte Firma konzentrierte sich erfolgreich auf Produktivitätssteigerungen im Vertrieb und auf eine geschickte Preispolitik.

„Ambev ist heute extrem erfolgreich bei der schwierigen Aufgabe, die Preise mit der Inflation zu erhöhen“, sagt Jonathan Schwartz von JP Morgan. So steigerte Ambev bei rückläufigen Umsätzen (2,5 Mrd. $) im vergangenen Jahr die Gewinne erneut (auf 900 Mill. $). Und auch im ersten Quartal 2003 gelang es bei erneut schrumpfenden Verkäufen die Gewinnquote vor Steuern und Abschreibungen noch einmal zu erhöhen, auf solide 34 % – nur Banken verdienen mehr in Brasilien. Und „wir glauben, dass Ambev auch künftig Preiserhöhungen wie in den letzten Jahren durchsetzen kann“, sagt Schwartz. Denn Brasilien ist der billigste Biermarkt in Lateinamerika.

„Ambev wird langfristig die Preise steigern wie das die Brauer bereits in Mexiko gemacht haben nach der Abwertung 1995“, erwartet die Investmentbank Merrill Lynch. Doch selbst bei einer weiterhin unterdurchschnittlich steigenden Massenkaufkraft in Brasilien dürften Ambevs Umsätze kaum weiter schrumpfen. „Die Biernachfrage in Brasilien ist überraschend unelastisch“, sagt Schwartz. Denn die Brasilianer trinken durchschnittlich ihre 50 Liter pro Kopf und Jahr – und zwar unabhängig vom Einkommen.

Die stagnierenden Umsätze müssen den Brauer auch kaum sorgen, denn er produziert bereits weltweit am billigsten. Nach einer Schätzung von Merrill Lynch kostet ein Hektoliter Bier in Brasilien knapp 30 $, gegenüber etwa 100 $ bei Heineken. Raum für Produktivitätssteigerungen gibt es also noch genug. Zudem hat „Ambev noch nicht mal begonnen in ihrer Zuliefererkette aufzuräumen oder im Premiumsegment zu wachsen“, sagt Carlos Laboy von Bear Stearns.

Wenig Sorgen bereitet auch die Konkurrenz. Zwar will die Regierung die Importzölle auf Bier abschaffen, um Preissteigerungen zu begrenzen. Aber bis ein ernsthafter Konkurrent auftritt, wird es noch eine Weile dauern. „Ambev verkauft das meiste Bier direkt in Bars oder über Pfandflaschen“, sagt Schwartz, „deswegen ist die Markteintrittsbarriere hoch“.

Ein Problem plagt Ambev aber doch: Bisher werden 90 % des Umsatzes in Brasilien, also mit dem schwachen Real erwirtschaftet. Deswegen fährt Ambev eine aggressive Lateinamerikastrategie: Vor einem Jahr kaufte Ambev 36 % der argentinischen Brauereigruppe Quinsa. Mit einer Fusion wäre Ambev in allen wichtigen Biermärkten Südamerikas vertreten. Und nun strebt Ambev nach Zentralamerika: In Guatemala eröffnen die Brasilianer bald zusammen mit Pepsico eine weitere Bierfabrik für 1 Mill. Hektoliter Kapazität und wollen von dort den Markt Zentralamerikas und der Karibik beliefern.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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