Brasilien verbessert langsam seine Ratings
Steter Notendruck

Die Filialleitung einer Ratingagentur in Brasilien dürfte einer der undankbarsten Jobs in der Finanzwelt des südamerikanischen Landes sein: Denn jedes Mal, wenn sich Brasiliens Konjunktur etwas stabilisiert, kommen die Agenturvertreter unter massiven Beschuss von Politik, Unternehmen und den Banken, doch nun endlich Brasiliens Bonitätsbewertung zu verbessern. Das ist inzwischen zum Ritual geworden. Dann bemerken Moody’s, Standard and Poor’s (S&P) und Fitch regelmäßig in dürren Worten, dass es aus diesem und jedem Grund noch zu früh sei für ein Upgrade. Die Populisten schäumen, und Brasiliens Finanzelite muss an der Wall Street die Wogen glätten– was nicht immer gelingt.

Das war jetzt wieder so, als die Türkei aufgewertet wurde, die Investmentbanken gleichwohl penibel vorrechneten, dass Brasiliens Wirtschaftslage in vielen Punkten besser als die der Türkei sei. Nun hat Moody’s letzte Woche reagiert und die Bewertung von Brasiliens Fremdwährungsanleihen von „B2“ auf „B1“ hochgesetzt – genau auf den Wert vor der Vertrauenskrise im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl 2002. Grund für die bessere Note: Brasiliens Exportboom und die deshalb geringere Abhängigkeit vom ausländischen Kapital. Damit ist Moody’s wieder mit den besseren Bewertungen von Fitch und S&P gleichgezogen. Brasilien rangiert somit vier Stufen unter dem Gütesiegel „Investmentqualität“, das in Lateinamerika nur Chile und Mexiko besitzen.

Fast alle Investmentbanken erwarten nun, dass sowohl Fitch wie S&P bis spätestens Anfang 2005 mit neuen Upgrades folgen werden. Die Inflation sei gezügelt, die Haushaltsdisziplin vorbildlich. Die Devisenreserven wachsen. Das Land produziert erstmals einen soliden Leistungsbilanzüberschuss. Die Wirtschaft schwenkt auf anhaltendes Wachstum ein. Die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zeigt politische Stärke.

Wozu noch warten? Für die Investoren hinken die Ratingagenturen hinter den Markteinschätzungen hinterher: Die rund fünf Prozentpunkte Zinsaufschlag, die derzeit auf Brasilienanleihen gezahlt werden, hatten die jüngste Heraufstufung schon vorweggenommen. Der Beweis: Die Risikoaufschläge veränderten sich kaum.

Seite 1:

Steter Notendruck

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%