Brauer in Schwellenmärkten
Der Bierkoloss vom Kap

Gestandene Biertrinker lassen sich gerne zu einem letzten Glas überreden. „One for the road“ ist nicht nur im Englischen ein geflügeltes Wort. Doch vor allem in den traditionellen Biermärkten wird das letzte Glas immer seltener getrunken. Sowohl in Westeuropa als auch in Nordamerika sinkt der Bierkonsum.

KAPSTADT. Um ihre Verkäufe anzukurbeln, haben sich die großen Bierbrauer deshalb zuletzt immer mehr in die wachstumsstarken Schwellenmärkte vorgewagt. Ganz obenan steht dabei der südafrikanische Bierriese SAB Miller, der in den letzten Jahren eine beispiellose Metamorphose von einem einst ganz auf die Kaprepublik beschränkten Konzern zu einem globalen Koloss vollzogen hat. Fast überall auf der Welt sind die Südafrikaner heute aktiv, vor allem in ihrem afrikanischen Hinterland, aber auch in Osteuropa und Asien.

Selbst im schwierigen chinesischen Biermarkt rangiert SAB Miller mit einem Anteil von 15 Prozent inzwischen an erster Stelle. Einstweilen ist die aggressive Expansionspolitik der Südafrikaner im Reich der Mitte damit aber erst einmal vorüber. Denn der Markt ist wegen seiner extrem dünnen Profitmargen alles andere als einfach. „In China wird erst die nächste Management-Generation die Ernte einfahren“, hatte der SAB-Miller-Vorsitzende Meyer Kahn bereits vor Jahren prophezeit.

Bei einem Blick auf den Bierkonsum offeriert Indien ohnehin die besseren Chancen. Experten rechnen damit, dass der Biermarkt in Indien jährlich um rund 30 Prozent wächst. Im Gegensatz dazu gilt der einstige Heimatmarkt am Kap, wo SAB Miller noch immer fast ein Drittel seiner Vorsteuergewinne macht, als weitgehend gesättigt. Einzige Wachstumsnische am Kap sind allein noch die Biermarken im oberen Marktsegment, wo sich SAB einen harten Kampf mit der kleinen Namibian Breweries liefert, die nach deutschem Reinheitsgebot braut.

SAB Miller dürfte es inzwischen bitter bereuen, vor vier Jahren für 5,6 Mrd. Dollar den US-Bierkonzern Miller in Milwaukee erworben zu haben. Eigentlich sollte damit das stark auf die Schwellenmärkte ausgerichtete Portefeuille ausbalanciert und durch einen Markt mit harter Währung angereichert werden. Doch der Turnaround bei Miller erweist sich als extrem mühselig. SAB Miller kann dennoch damit leben.

Erst im letzten Jahr hat es sein globales Portefeuille durch den fast acht Mrd. Dollar teuren Zukauf der zweitgrößten südamerikanischen Brauerei Bavaria angereichert – und ist damit zur Nummer zwei unter den internationalen Bierbrauern aufgestiegen. Kein Wunder, dass die Megabrauerei vom Kap vor Selbstvertrauen geradezu strotzt. Das Motto des Konzerns im Zeitalter der Globalisierung ist simpel: fressen oder gefressen werden. Anders als manche deutsche Brauerei hat SAB Miller dabei der ersten Variante den Vorzug gegeben.

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