Briten haben Vivendis Mobilfunktochter im Visier
Kluge Schachzüge

Was hat der französische Telekom- und Unterhaltungskonzern Vivendi Universal mit der alten Mannesmann AG gemeinsam? Möglicherweise den Aufkäufer.

PARIS. Denn beide Gesellschaften haben bzw. hatten eine erfolgreiche Mobilfunktochter, die den britischen Telekomgiganten Vodafone stark interessiert. Die These, dass Vodafone in absehbarer Zeit ein Übernahmeangebot für Vivendi Universal machen wird, um an dessen Mobilfunktochter SFR heranzukommen, findet immer mehr Anhänger. Dies dürfte wohl auch einer der Gründe dafür sein, dass der Vivendi-Kurs von seinem Tiefpunkt bei 11 Euro im März mittlerweile bei über 19 Euro angekommen ist. Analysten machen sich bereits offen Gedanken darüber, wie die Übernahme am geschicktesten einzufädeln wäre.

Dass Vodafone das Potenzial für solch eine Übernahme hat, steht nach den guten Quartalszahlen von vergangener Woche außer Zweifel. Einen Fuß haben die Briten zudem beim Mobilfunkbetreiber SFR bereits in der Tür: Sie halten 43,9 % an SFR, 55,8 % gehören Vivendi. Die beteiligten Manager treten den frisch entflammten Übernahmespekulationen nicht wirklich entgegen – im Gegenteil: „Wir hoffen immer noch darauf, dass Cegetel und SFR einmal der Vodafone Familie beitreten werden“, zitieren französische Zeitungen Vodafone-Chef Arun Sarin. Und Vivendi-Chef Jean-Réné Fourtou soll auf Konferenzen mit Aufrufen um die Häuser ziehen à la „kauft Vivendi-Aktien, bevor es Vodafone tut“. Bis Ende Januar 2004 sind den Briten indes durch ein Stillhalteabkommen die Hände gebunden.

Den fairen Kurs von Vivendi taxieren die Analysten der Société Générale (SG) mit 23 Euro. Mit zurzeit gut 19 Euro wird das Unternehmen also mit einem deutlichen Konglomeratsabschlag gehandelt.

Die Frage ist: Wartet Vodafone mit dem nächsten Schachzug bis Vivendi-Chef Fourtou den Mischkonzern entschlackt und die alle großen Randbeteiligungen verkauft hat? Dieser ist bereits voll und ganz mit Aufräumarbeiten beschäftigt; jüngst schlug er für rund 3,2 Mrd. Euro die Unterhaltungssparte Vivendi Universal Entertainment an die General-Electric-Tochter NBC los; das Verlagsgeschäft und die Versorgertochter sind auch schon verkauft. Es wäre für Vodafone gewiss leichter, eine entschlackte Vivendi- Gruppe zu übernehmen, dies würde die Risiken einer Übernahme minimieren und dafür sprechen, dass Vodafone noch zuwartet. Gegen diese Variante spricht, dass sich mit der zunehmenden Fokussierung von Vivendi der Konglomeratsabschlag verringert. Wollte Vodafone Vivendi dann schlucken, müssten die Briten einen höheren Preis zahlen.

Ein weiteres Problem tritt hinzu: Vivendi hat Milliarden an Steuerguthaben in der Bilanz, die könnten bei einer Übernahme verloren gehen. Daher schlagen die SG-Analysten ein zweistufiges Vorgehen vor. Zunächst wird Vivendi in zwei börsennotierte Gesellschaften geteilt: eine für das Mediengeschäft, eine zweite für die Telekom-Aktivitäten inklusive Mobilfunktochter SFR. Später würde dann die alte Holding mit der Telekom-Gesellschaft verschmolzen, um die Steuergutschriften nutzbar zumachen. Vodafone würde am Ende der Operation zwar nur 38 % an Vivendi Télécom halten, könnte aber die Steuergutschriften nutzen. Und nichts spricht dagegen, später nach der Mehrheit der Telefongesellschaft zu greifen, ohne zuvor wie bei Mannesmann mühsam den Konzern zerschlagen zu müssen.

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