Britische Hypothekenbanken sind Übernahmeziele
Abbey als Vorbild

Nach der gestern verkündeten Übernahme von Abbey National durch die spanische Bank Santander suchen britische Beobachter den heimischen Markt schon nach dem nächsten potenziellen Opfer ab.

LONDON. Zwar ist ein derart lukrativer Fang wie Abbey National mit 18 Millionen Kunden und 741 Filialen in Großbritannien nicht mehr zu bekommen. Doch bei den Hypothekenbanken fallen sofort drei Kandidaten ins Blickfeld: Northern Rock, Bradford & Bingley und Alliance & Leicester.

Alle drei gelten als Möglichkeiten, das Portfolio einer Bank zu verstärken. Mitunter würden Übernahmen von den Aktionären gar nicht so ungern gesehen. Stärkere Konkurrenz und steigende Leitzinsen haben die Margen aller Institute unter Druck gebracht. Dazu kommt bei einigen, dass ihr Geschäftsmodell als wenig lukrativ gilt. Andere sind zu klein, um in härteren Zeiten unabhängig zu bleiben.

Als erster Anwärter auf eine Übernahme gilt Bradford & Bingley. Die Bank mit einem Mix aus Spar- und Immobilienprodukten verfügt über ein Netzwerk von fast 450 Filialen und knapp 3 Millionen Kunden. Sie ist spezialisiert auf riskante Produkte mit potenziell höheren Margen – etwa für Käufer, die vermieten wollen (buy to let). Je höher aber die Margen liegen, umso stärker können sie unter Druck geraten. Auch zahlte sich die Strategie des Managements nicht aus, unabhängige Finanzberatungsfirmen zu kaufen – weshalb das Institut dabei ist, diese wieder abzustoßen. Dass der Vorstand zudem von Expansion spricht, statt die Kosten deutlicher zu reduzieren, kommt nicht gut an im Markt. Für einen Übernehmer bietet sich B & B vornehmlich als interessante Turnaround-Story an.

Das sieht bei Alliance & Leicester anders aus. Das Institut kommt auf fünf Millionen Kunden und verfügt über gut 300 Filialen, von denen 15 Prozent in Kürze aus Kostengründen abgebaut werden sollen. Analysten bezeichnen Alliance & Leicester als „Mini-High-Street-Bank“. Sie hat alles, was eine Bank braucht – wenn auch eher im Kleinen. Das Geschäft mit Girokonten läuft gut, Kreditkarten und Lebensversicherungen werden über Drittanbieter verkauft. Derzeit versucht das Institut zudem, mehr Produkte über das Internet zu vertreiben. Die Bank ist profitabel, hat aber mit Margendruck zu kämpfen. Das Management würde allerdings gerne unabhängig bleiben.

Northern Rock ist sowohl das beste, als auch das schlechteste der drei Objekte. Das Institut ist ein spezialisierter Kreditgeber, der auch Offshore-Produkte anbietet. Mit anderthalb Millionen Kunden und knapp 60 Filialen gilt die aus einer Bausparkasse hervorgegangene Bank als eines der am effizientesten geführten Institute. Zuletzt wuchs Northern Rock zudem noch stärker als erwartet, und dem Management gelang es, seine Kosten deutlich zu drücken. Allerdings – und das ist die schlechte Nachricht, – ist die Bank durch eine schwer zu schluckende „Poison Pill“ vor einer Übernahme geschützt. Sollte das Institut in andere Hände gehen, werden die bislang nicht stimmberechtigten Anteile, die bei einer nahe stehenden Wohlfahrtsorganisation liegen, in ein 15-prozentiges Aktienpaket umgewandelt. Wohl auch deshalb sagte der Northern-Rock-Chef kürzlich, bei der erwarteten Konsolidierung des Marktes würde sein Institut als einer der Spieler übrig bleiben.

Einige Analysten sind nach der Abbey-Übernahme gleicher Meinung. SG Securities etwa hob die Einschätzungen für Bradford & Bingley und Alliance & Leicester sofort an – wegen einer möglichen Übernahme. Zwar werden die Institute seit Monaten als Kandidaten gehandelt und hätten schon seit langem ohne Schwierigkeiten seitens der Wettbewerbsbehörde übernommen werden können. Der Fall Abbey dürfte nun aber den Anreiz erhöhen.

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