Bucklige Verwandtschaft
Investoren meiden Qimonda

Es gibt so manche Redaktionsstube, da nennen sie die Firma scherzhaft Quasimodo. Und irgendwie hat Qimonda – wie das Unternehmen richtig heißt – mit dem buckligen Glöckner von Notre Dame ja auch so einiges gemeinsam.

MÜNCHEN. Denn so wie sich die Menschen einst in Paris von dem hässlichen Sonderling Quasimodo abgewandt hatten, so mieden zuletzt die Investoren Qimonda. Zumindest in Deutschland wollte niemand die Aktien des Halbleiterherstellers haben, als Infineon in diesem Sommer den Börsengang seiner Speichersparte auf den Weg brachte.

Allerdings hat der Aktienkurs sich seit dem Börsenstart am 9. August gut entwickelt. Von einem Ausgabepreis von 13 Dollar kletterte das Papier auf mehr als 16 Dollar. Statt deutscher sind amerikanische Fonds eingestiegen. Sicher, dass deutsche Investoren zurückhaltend waren, hat gute Gründe. Schließlich kennen sie die Börsenhistorie der Qimonda-Mutter Infineon nur allzu gut. Wenn es ein Dax-Unternehmen in Deutschland gibt, das für Pleiten, Pech und Pannen steht, dann ist es Infineon.

Dazu kommt, dass auch die Geschichte von Qimonda – als sie noch die Speichersparte von Infineon war – alles andere als vertrauenserweckend ist. Nur allzu oft fuhr der Bereich in den vergangenen Jahren magere Gewinne oder sogar Verluste ein. Vielfach wirkte das Geschäftsfeld wie ein Spielball des Marktes: Ging der Preis für die Speicher, so genannte Drams, hoch, stand die Sparte gut da. Da die Preise aber die meiste Zeit im Keller waren, kam auch Qimonda nicht auf die Beine. Konkurrenten wie Samsung oder Micron ging es zumeist deutlich besser – und selbst der ehemalige Pleitekandidat Hynix aus Südkorea ist profitabler.

Und doch: Das alles heißt noch lange nicht, dass Qimonda auf ewig zu den Verlierern zählen wird. Denn das Unternehmen hat gute Chancen, im Speichergeschäft vorne mitzumischen. Da wären zum einen moderne Fabriken: Infineon produziert zum großen Teil in der fortschrittlichen 300-Millimeter-Technologie und steckt derzeit viel Geld in eine neue Fabrik in Amerika. Das bringt Kostenvorteile gegenüber Konkurrenten wie Micron, die ihre Chips noch stark auf 200-Millimeter- Scheiben fertigen.

Dazu kommt ein erfahrenes Management: Mit dem gebürtigen Malaysier Loh Kin Wah hat Qimonda einen Chef, der sich exzellent in der Branche auskennt und vor allem in den wichtigen Märkten Asiens beste Kontakte hat. Zudem ist Qimonda dabei, sich krisenfester zu machen. Statt massenhaft Standardprodukte zu fertigen, will Loh künftig mehr Spezialitäten anbieten. Da ist der Preisdruck geringer und Qimonda als Lieferant schwerer auszutauschen.

Eine Garantie, dass es künftig besser läuft, gibt es aber nicht. Zudem sind da genügend Faktoren, die weitere Kursgewinne stoppen könnten. Denn über kurz oder lang wird sich Infineon – die Firma hält noch 86 Prozent der Qimonda-Aktien – ganz zurück ziehen und die Aktien auf den Markt werfen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%