Bulle und Bär
200 Tage sind lang

Börsentechnisch gesehen sind 200 Tage fast ein Jahr. Und was im vergangenen Jahr passiert ist, wird derzeit am Devisenmarkt besonders häufig ins Feld geführt. Die 200-Tage-Linie kommt ins Gespräch, wenn Händler über die weitere Kursentwicklung von Euro und Dollar rätseln.

DÜSSELDORF. Seitdem der Euro wieder deutlich billiger geworden ist, liefert sie den Kurs von 1,2470 als Orientierungshilfe. Der Kursverfall sollte dort zum Stopp kommen, sagen technische Analysten, sonst gibt es nach unten kein Halten mehr.

Die 200- Tage-Linie gibt Tag für Tag den durchschnittlichen Kurs der vergangenen 200 Handelstage wieder. Täglich geht ein neuer Schlusskurs in die Rechnung mit ein. Der vor 201 Tagen notierte Wert wird dagegen nicht mehr berücksichtigt. Damit bildet die Linie nur längerfristige Trends ab. Kurzfristige Preisausschläge beeinflussen den Durchschnitt nur geringfügig. Bemerkbar machen sie sich erst, wenn die Wende nachhaltig ist. Die Richtung der Linie zeigt im Idealfall, wo der Markt hingeht.

Zu Preisen zwischen 1,21 und 1,30 wurde der Euro im vergangenen Jahr gehandelt. Der Durchschnitt lag grob bei 1,2470. In den vergangenen Wochen hat der Kurs des Euros deutlich nachgegeben, die 200-Tage-Linie zeigt nach unten. Jetzt nehmen Marktteilnehmer die Marke der 200-Tage-Linie als griffige Größe, bei der mit dem Kursverfall Schluss sein könnte. Rutscht der Euro unter 1,2470 ab, dann wird er absacken, glauben Anleger.

„Alles Quatsch“, sagt man beim unabhängigen Researchinstitut Cognitrend, das sich auf das Sentiment der Anleger spezialisiert hat. Dort hält man allenfalls kürzerfristige Betrachtungen – wie etwa die 50-Tage-Linie – für aussagekräftig. Die technischen Analysten von HSBC Trinkaus wiederum sagen, allein die Aussagekraft der 200-Tage-Linie sei wissenschaftlich untermauert. Bei Anlegern jedenfalls ist die Messgröße populär. Sie taucht in den Marktberichten der Zeitungen und Magazine auf, Händler erwähnen und respektieren sie.

Damit wird die 200-Tage-Linie zur „Selffulfilling Prophecy.“ Weil viele daran glauben, werden ihre Unterstützungsmarken häufig bestätigt

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Ein starkes Argument ist die 200-Tage-Linie trotzdem nicht. Selbst technische Analysten sagen, sie sollte nie als einziges Kriterium herangezogen werden. Der Euro nähere sich derzeit nicht nur seiner 200-Tage-Linie, sondern auch einigen Tiefständen der vergangenen Wochen, wie etwa der Marke von 1,2492 am 18. Juli. Allein die Summe mehrerer Marken und technischer Merkmale gebe der Unterstützungslinie eine gewisse Bedeutung.

Außerdem: Wer sich auf die 200-Tage-Linie verlässt, kommt mit seinen Anlageentscheidungen meist zu spät. Die Linie zeigt eine neue Rally nur mit deutlicher Zeitverzögerung an, damit würde der Investor den Anfang verpassen. Zu Beginn einer Talfahrt würde er viel zu lange an seinen Positionen festhalten.

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