Bulle & Bär
Abgeltungsteuer: Locker bleiben

Ein abgebissener Happen Wurst, ein herausgeschnittenes Stück Steak, ein zersägter Fernseher - was die ab 2009 geltende Abgeltungsteuer Anlegern zu nehmen droht, illustrieren Werbe-Kreative umso deftiger, je näher der Starttermin rückt. Immer stärker bestürmen Finanzvermittler die in Umfragen gern als unwissend und passiv angeprangerten Anleger, jetzt ihr Depot steuerlich zu optimieren.

FRANKFURT. Schätzungen über Depot-Umstrukturierungen in Höhe eines dreistelligen Milliarden-Euro-Betrages dokumentieren die hohen Erwartungen der Branche; bislang läuft das Geschäft nach eigener Aussage zäh. Für Anleger macht es keinen Sinn, aus Panik vor der neuen Steuer auf Erträge aus Kapitalvermögen ihr gesamtes Depot auf den Kopf zu stellen. Steuern allein sind bekanntlich kein guter Ratgeber für eine Anlagestrategie. Die Tatsache, dass neben Zinsen und Dividenden ab 2009 auch Kursgewinne besteuert werden, sollte allenfalls ein Anlass sein, generell die Struktur der Geldanlage zu überdenken.

Die ohnehin konservativen Deutschen wollen seit Beginn der jüngsten Finanzkrise noch weniger von Aktien wissen. Da diese Anlageform der Erfahrung nach aber auf lange Sicht die besten Renditechancen bietet und die gefürchteten Wertschwankungen langfristig abnehmen, scheint die Zeit trotz aller Unsicherheit günstig, über den eigenen Schatten zu springen. Denn Dividendentitel sind nach der jüngsten Korrektur billig, wie die gerade noch zweistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnisse zeigen. Wer das Anlagerisiko über einen Fonds oder ein Zertifikat breit streut, dürfte über die Jahre Ertrag machen, auch wenn die Erholung der Wirtschaft auf sich warten lässt. Gerade mit Blick auf das notwendige, langfristige Sparen für das Alter brauchen die Menschen nicht nur Schutz gegen Inflation mit Sachwertanlagen, sondern auch erkennbare Rendite.

Die meisten Deutschen investieren nach Einschätzung von Bankstrategen weniger als die - für Anleger mit mittlerer Risikoneigung - oft empfohlene Hälfte des Depotwertes in Aktien. Daher könnten Anleger den Herbst dazu nutzen, ihren Aktienanteil im Depot unaufgeregt zu stärken und sich damit auch den Bestandsschutz für Kursgewinne vor der Abgeltungsteuer sichern.

Wer Vermögen ansparen möchte, kann ebenfalls gelassen bleiben. Zwar streiten die Politiker noch über mögliche Steuer-Ausnahmen für Sparpläne für das Alter. Klar ist aber bereits, dass nicht jeder Cent Ertrag aus Sparplänen unter die neue 25-Prozent-Steuer fallen wird. Das Bonbon gibt es für Fondssparer, die ab 2009 in einen Riester-Vertrag mehr als die maximal staatlich geförderten 2 100 Euro einzahlen oder ganz ohne Förderung sparen. Die Erträge werden künftig zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert, wenn der Anleger mindestens zwölf Jahre spart und das Geld nicht vor seinem 60. Geburtstag anrührt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bietet Fondsanbietern damit die gleichen Bedingungen wie Lebensversicherern für ein abgeltungsteuerfreies Sparprodukt. Fast alle großen Fondshäuser arbeiten an Produkten.

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