Bulle & Bär
Absichern ist besser als verkaufen

Es ist der Stoff, aus dem Anlegerträume sind: Einen Trend früh erwischen und möglichst nahe am Tiefpunkt einsteigen. Das ist nach knapp vier Jahren Bullenmarkt zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Denn eine historisch außergewöhnliche Konstellation bietet zur Zeit der Volatilitätsindex V-Dax.

Er gilt als Nervenbarometer des Aktienmarkts und gibt die von den Terminmarkt-Händlern erwartete Schwankungsbreite deutscher Aktien in den nächsten 30 Tagen in Prozent an. Derzeit notiert der V-Dax bei 15 Prozent. Als „Normal Null“ gilt seit Mitte der 90er- Jahre ein VDax von 25 Prozent; in Krisenzeiten kletterte er bereits auf Werte von über 50.

Die schlechte Nachricht: Die historisch betrachtet noch immer niedrige Volatilität deutet auf ein hohes Maß an Sorglosigkeit der Marktteilnehmer hin. Die Marktteilnehmer messen Krisenszenarien zurzeit kaum Bedeutung bei. Zudem deuteten Extremwerte der Volatilität in der Vergangenheit oft auf eine nahende Trendwende an den Märkten hin.

Die gute Nachricht: Die historisch niedrige Volatilität birgt auch Chancen. Sie sorgt für niedrige Optionsprämien und damit aus Sicht der Privatanleger attraktive Kursstellungen der fast in Vergessenheit geratenen Optionsscheine. Für die Absicherung eines Depots mittels Verkaufsoptionsscheinen (Puts) müssen Anleger heute deutlich geringere Prämien zahlen als im Durchschnitt der letzten 15 Jahre.

Lange Zeit war die Volatilität der erklärte Feind von Investoren, die mit Optionsscheinen handelten. Veränderte Volatilitätserwartungen sorgten – aus Sicht der Anleger – oft für unerklärliche Kurssprünge. Das ebnete den Weg für den Siegeszug der Hebelzertifikate wie Turbos und Mini-Futures: Für sie spielt die Volatilität kaum eine Rolle. Doch im aktuellen Umfeld haben die Verkaufsoptionsscheine einen besonderen Reiz: Sinkende Kurse gehen in der Regel einher mit einer steigender Unsicherheit der Marktteilnehmer – und damit höheren Volatilitätserwartungen. Liegen die Halter von Verkaufsoptionsscheinen mit ihrer Spekulation auf fallende Kurse richtig, profitieren sie gleich doppelt: Sowohl sinkende Kurse als auch höhere Volatilitäten sorgen für kräftige Kursanstiege der Puts.

Die Scheine sind indes nicht nur für Spekulanten, sondern aus steuerlichen Gründen auch für vorsichtige Investoren derzeit einen Blick wert. Im Rahmen der geplanten Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge gewährt der Gesetzgeber aller Voraussicht nach Bestandsschutz für Wertpapiere, die sich bis Jahresende 2008 in den Depots befinden. Wer jetzt aus Angst vor einer Korrektur Gewinne am Aktienmarkt mitnimmt, steht auch unter Druck, noch vor dem Stichtag am 31.12. 2008 einen guten Zeitpunkt zum Wiedereinstieg zu finden, will er sich vor dem Zugriff des Fiskus auf mögliche Gewinne ab 2009 schützen. Absichern mit Verkaufsoptionsscheinen kann daher aktuell cleverer sein als verkaufen.

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