Bulle & Bär
Abstieg vom Olymp

Brummt die Konjunktur, läuft die Börse. Doch was ist, wenn Unternehmens- und Konjunkturzahlen von einem Rekord zum nächsten eilen? Die scheinbar beste aller Welten befeuert im Moment keineswegs die Kurse.

DÜSSELDORF. Grund: Die Perspektiven stimmen einfach nicht mehr. Das Risiko abzurutschen, überwiegt. Der Reihe nach. Monat für Monat steigt der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Index von einem Hoch zum nächsten. In dieser Woche beurteilten die 7000 befragten Unternehmen ihre Situation so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Die Konsequenz: Die Aktienkurse knickten ein, und das aus Sicht vieler Analysten auch zu Recht, Getreu dem Motto: Wer oder was ganz oben steht, kann eigentlich nur noch fallen. Untermauert wird diese Einschätzung durch Berechnungen, wonach die Börse nach sehr starken Ifo-Daten anschließend bestenfalls noch seitwärts lief. Der Grund dafür leuchtet ein: Börsianer bereiten sich frühzeitig auf schlechtere Zeiten vor, also einen fallenden Ifo-Index. Das heißt also auf schlechtere Geschäftserwartungen der Unternehmensmanager und schlussendlich auf sinkende Firmengewinne.

So weit ist es zwar noch lange nicht, aber die Börse schaut nun mal gern so weit wie möglich in die Zukunft. Gegenwärtig steigen die Unternehmenserträge noch von einem Rekord zum nächsten, aber „das ist nur der Blick in den Rückspiegel und die Erklärung, warum der Dax von April 2005 bis Mitte Mai 2006 von 4200 auf knapp 6200 Punkten gestiegen ist“, stellt Andreas Hürkamp von der Landesbank Rheinland-Pfalz nüchtern fest.

Ein Blick auf die Makroebene vermittelt dasselbe Bild. Die Weltkonjunktur brummt seit drei Jahren mit jährlichen Wachstumsraten von mehr als fünf Prozent. So etwas gab es seit 30 Jahren nicht mehr. Auch darauf reagieren Börsianer unterkühlt. Sie ziehen sich zurück, wie weltweit die heftige Korrektur belegt. Allen voran sinkt der koreanische Kospi-Index. Dieser spiegelt nach Untersuchungen von Merrill Lynch wie kaum ein anderer Index den künftigen Lauf der Weltwirtschaft wider, weil Südkoreas Unternehmen sehr exportorientiert sind und im internationalen Vergleich mit vielen Fremdmitteln arbeiten. Das heißt, die Firmen leiden unter höheren Zinsen und einer Abschwächung der Weltkonjunktur, wie es die Mehrheit der Marktteilnehmer für 2007 erwartet, stärker als andere Wettbewerber.

Sollen Anleger nun angesichts toller Konjunktur- und Unternehmensdaten vorsichtiger als bisher agieren, weil die Zukunft eher schlechter als besser wird? Ja, aber mit Umsicht. Schließlich überzeugen die Konzerne nach wie vor mit hohen und steigenden Gewinnen. Ein Abschwung ist – noch – nicht in Sicht. Wer also zu früh aussteigt, dem entgehen vielleicht gar Kursgewinne. Aber ein Innehalten und ein kritischer Blick aufs Aktiendepot ist ratsam. Nicht trotz, sondern wegen der tollen Konjunkturdaten.

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