Bulle & Bär
Agrarpreise auf Rekordkurs

Das Kilo-Paket Müsli im HL-Markt kostet 1,15 Euro. Die 500-Gramm-Packung Weizenmischbrot ist 1,39 Euro teuer. Lange wird das kaum halten können. Die Agrarpreise schießen durch die Decke. Allein Weizen hat sich in den letzten drei Jahren mehr als vervierfacht. Am Mittwoch verlief der Handel an der wichtigen Chicagoer Terminbörse so turbulent wie nie.

FRANKFURT. Nach einem Absacker sprang der Preis um ein Fünftel nach oben - auf einen neuen Rekord. Die Rohstoffhausse hat sich rasant beschleunigt, der Weizenpreis in drei Jahren mehr als vervierfacht. Das hört sich nach viel an. Doch gemessen an den übrigen Commodities ist es ein Klacks. Wer beim Start der Rohstoffhausse vor neun Jahren auf Öl-Kontrakte der Marke Brent setzte, freut sich heute über das 14-Fache seines Einsatzes. Der Weizenpreis dagegen ist trotz zeitweiser Talfahrt nicht vom Fleck gekommen. Hier beginnen die Spekulationen über einen Nachholbedarf gegenüber an deren Rohstoffen und auch Öl.

Die Messlatte Öl drängt sich auf. Ein Teil des Preisanstiegs bei den Nahrungsmittel-Rohstoffen ist dem Run auf Biosprit zuzuschreiben. Die boomenden Ökonomien der Riesenstaaten China und Indien verschlingen immer mehr Energie. Gleichzeitig wird es auf der Angebotsseite eng. Große und neue Ölreservoirs werden nicht mehr entdeckt. Das treibt die Nachfrage nach alternativen Energiespendern, die wie Getreide oder Raps auf den Feldern wachsen und in Treibstoff umgewandelt werden können. So wandern Nahrungsmittel in den Autotank und fehlen auf dem Küchentisch.

Schon machen Schlagzeilen vom "Kampf ums Essen" die Runde. Skeptische amerikanische Kreise verbreiten unter dem Schlagwort "Farmageddon" düstere Prognosen. Man erinnert sich auch wieder an die apokalyptische Vision von Thomas Malthus. Der Brite sah vor zwei Jahrhunderten die Menschheit in eine Hungerkatastrophe stolpern. Sein Gedanke: Die Bevölkerungszahl steigt viel schneller als die Nahrungsmittelproduktion erhöht werden kann. Das erwies sich als falsch. Der Einsatz von Dünger und Maschinen auf dem Feld revolutionierte die Landwirtschaft. Noch vor einem Jahrhundert ernährte ein Bauer drei Menschen, heute mehrere hundert.

Aber Malthus bleibt trotzdem in der Diskussion, mit einer zweiten Entwicklung, die ihm in die Hände spielt und er ebenfalls nicht erahnen konnte. Es geht um einen der größten Umbrüche in der Geschichte: Die Bewohner der Schwellenländer und damit etwa die halbe Menschheit strebt nach mehr Wohlstand und besserer Ernährung.

Öl bleibt der Schmierstoff der Ökonomien, die Nahrung der Energiespender für die Menschen. Beides ist unersetzbar. Deshalb dürften die Preise weiter steigen, wenn auch mit starken Korrekturen. Und Weizen ist vielleicht die interessantere Börsenwette im Vergleich zum Öl: Auf das Auto kann man im schlimmsten Fall verzichten, auf Brot nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%