Bulle & Bär: Aixtron: Im Licht des Klimawandels

Bulle & Bär
Aixtron: Im Licht des Klimawandels

Stärkere Kursausschläge sind Anleger des Chip-Anlagenbauers Aixtron gewöhnt. Seit Monaten zählt die Aktie des Aachener Unternehmens zu den schwankungsreichsten im deutschen Technologieindex TecDax. Die jüngste Aufwärtsbewegung des Papiers hatte aber auch die abgebrühtesten Investoren in Staunen versetzt.

FRANKFURT. Noch vor fünf Tagen notierte die Aixtron-Aktie bei rund vier Euro, ehe sie unter hohen Umsätzen um mehr als ein Drittel auf 5,50 Euro kletterte. Erst am Dienstag ging es im Sog des schwachen TecDax massiv abwärts.

Als Hoffnungsträger unter den deutschen Technologiewerten wird Aixtron schon seit Monaten gehandelt, spätestens seit das Unternehmen, das Anlagen zur Produktion von Verbindungshalbleitern herstellt, im dritten Quartal 2006 den Sprung zurück in die Gewinnzone geschafft hat. Das Vorjahr hatte Aixtron noch mit einem Minus von 53,5 Millionen Euro abgeschlossen; jetzt rechnen Analysten mit einem Überschuss von drei Millionen Euro.

Dass der gefallene Neue-Markt-Star, dessen Aktie von 87 bis auf zwei Euro sank, plötzlich wieder zu den Anlegerlieblingen zählt, können aber weder die – seit Wochen bekannte – Ertragswende noch die jüngste Unternehmensmeldung über neue Aufträge aus China erklären.

Hinter dem plötzlichen Interesse steckt vielmehr die Spekulation auf einen ganz neuen Treiber für die Geschäfte von Aixtron: Verbindungshalbleiter sind die wichtigsten Bestandteile von modernen Leuchtdioden (LED). Angesichts der Debatte um den Klimaschutz sind die flexiblen, haltbaren und Strom sparenden LEDs zurzeit in aller Munde. Sollte die Politik tatsächlich ein Verbot von Glühbirnen durchsetzen, wären LEDs die Nutznießer und damit auch Aixtron als Zulieferer der Dioden-Hersteller, hoffen die Spekulanten.

Großes Potenzial hat das LED-Geschäft ohne Zweifel. Allerdings mahnen Analysten bereits zur Vorsicht: Als Ersatz für herkömmliche Glühbirnen seien Energiesparlampen und Leuchtröhren geeigneter, da sie vor allem wesentlich günstiger herzustellen seien.

Den Anlegern scheint das jedoch egal zu sein. Allein die lose Verbindung zum Modethema Klimaschutz treibt sie in die Aixtron-Aktie. Nachdem die Titel von Solar- und Windkraftunternehmen allmählich teuer geworden sind, sehen sie das Papier als attraktive Anlagealternative.

Bisweilen weckt die Euphorie jedoch Erinnerungen an die Zeiten des Neuen Marktes. Denn günstig ist auch die Aixtron-Aktie längst nicht mehr. Nach dem Kurssprung der vergangenen Tage wird das Unternehmen an der Börse mit dem 2,7fachen des für 2006 erwarteten Umsatzes bewertet und liegt deutlich über den Kurszielen der Analysten. In diese Bewertung muss Aixtron bei aller Zuversicht erst noch hineinwachsen. Am 15. März bietet sich mit dem Jahresergebnis und dem Ausblick auf 2007 die erste Gelegenheit. Doch die Vorschusslorbeeren hängen enorm hoch. Enttäuscht das Unternehmen die Erwartungen, könnte es erneut zu starken Kursausschlägen kommen – so wie heute.

drescher@handelsblatt.com

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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