Bulle & Bär
Aktie Gelb sieht rot

An der Börse wurde die Deutsche Post für ihre Sanierungspläne im US-Expressgeschäft in der letzten Woche heftig abgestraft. Die Post-Aktie, die zuvor noch erwartungsfroh gestiegen war, rutschte deutlich ins Minus - ein klares Votum des Kapitalmarkts. Viele Analysten haben ihr Kursziel für die Post-Aktie inzwischen zurückgestuft. Der Aktienkurs gibt seitdem nach.
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DÜSSELDORF. Der Markt hatte offensichtlich mehr erwartet. Zwar gibt die Deutsche Post den teuren Lufttransport innerhalb der USA überraschend an den Erzrivalen UPS ab und kappt die Zustellkapazitäten um ein Drittel. Doch auch künftig nimmt der Logistikriese erhebliche Verluste im US-Geschäft mit Eilsendungen in Kauf.

Außerdem vermissen Analysten nach der positiv aufgenommenen Kooperation in der Luft auch eine Kooperation am Boden. Trotz ihres niedrigen Marktanteils will die Post das US-Zustellgeschäft am Boden erneut auf eigene Faust sanieren. Die Zusammenarbeit mit dem U.S. Postal Service soll nur geringfügig ausgeweitet werden.

Allein die Umstrukturierung kostet die Post zwei Mrd. Dollar. Hinzu kommen die aufgelaufenen Verluste von schätzungsweise sieben Mrd. Dollar. Frühestens 2012 wird das Geschäft die Kosten einspielen. Dennoch ist Präsenz in den USA Pflicht: Davon hängen zu viele Aufträge im weltweiten Expressgeschäft ab. Schadensbegrenzung war das Ziel. Es wurde erreicht.

Schwachpunkt war offenbar das Luftfrachtgeschäft. Mit dem Kauf des US-Expressdienstes Airborne im Jahr 2003 für knapp eine Mrd. Euro wollte Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel den Konkurrenten UPS und Fedex auf deren Heimatmarkt Paroli bieten. Nun hat sein Nachfolger Frank Appel die Notbremse gezogen. Damit ist auch klar: DHL ist im US-Expressgeschäft gescheitert. Airborne war wohl die größte Fehlinvestition in der Postgeschichte.

Die Kooperation mit UPS ist eine Blamage, wenn auch gut fürs Geschäft. Gespräche mit Fedex waren zuvor offenbar im Sande verlaufen. Möglicherweise hat UPS bessere Preise geboten. Der Zehn-Milliarden-Dollar-Auftrag sichert UPS jedenfalls Transportkapazitäten auf zehn Jahre. Sorgen wegen der hohen Ölpreise und sinkender Margen sind da wohl leichter zu ertragen. Fedex darf sich aber ebenfalls freuen. Spekuliert wird bereits auf die DHL-Kunden, die angesichts der Serviceeinschränkungen den Anbieter wechseln.

Ausbaden müssen das Desaster nicht nur die rund 2 000 DHL-Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze eingespart werden. Betroffen sind auch Tausende Arbeitsplätze bei Zulieferern, wie den Fracht-Airlines ABX Air (Ex-Airborne) und Astar. Unklar ist auch, was aus dem Luftdrehkreuz von DHL in Wilmington/Ohio wird, das ABX betreibt. Denn das wird eigentlich nicht mehr gebraucht. Eine Schließung gilt aber als eher unwahrscheinlich. Bei der Post wird über Kompensation nachgedacht. So könnte DHL Logistics in die Bresche springen.

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