Bulle & Bär
Aktien aus der zweiten Reihe hängen Schwergewichte ab

David gegen Goliath, klein gegen groß. An der Börse ist das fast schon eine Glaubenssache. Soll man eher auf die Schwergewichte vertrauen, also Aktien mit hoher Marktkapitalisierung? Oder ist es besser, auf kleinere Firmen zu setzen, die abseits des Dax zu finden sind?

FRANKFURT. Als im Zuge der Finanzkrise die Kurse abstürzten, kamen kleinere Firmen unter die Räder. Die Anleger klammerten sich an die Konzerne aus dem Dax. Unternehmen wie Telekom, RWE oder Siemens galten als stabiler. Zwar kamen auch die nicht unbeschadet aus der Krise, aber die Kursverluste waren weniger groß als bei den sogenannten Small Caps.

Doch jetzt haben die Kleinen wieder die Nase vor. Im laufenden Jahr hat der MDax der mittelgroßen Werte rund 18 Prozent zugelegt, der SDax der Kleinstwerte sogar 25 Prozent. Da kann der Dax nicht mithalten - der Leitindex hat in diesem Jahr gut fünf Prozent gewonnen.

Made in Germany ist begehrt

Dass die Aktien der Kleinen so rasant steigen, hat einen einfachen Grund: Die Konjunktur zieht an. Made in Germany ist im Rest der Welt wieder gefragt. Davon profitieren besonders die Industrieunternehmen, Maschinenbauer und Autozulieferer. Und die sind traditionell unterhalb des Dax zu finden; im MDax sind das beispielsweise Leoni, Tognum oder Continental. Auch Aktien aus dem SDax wie Grammer, Dürr oder Bertrandt können sich sehen lassen. Es sind die kleineren und mittelgroßen Firmen, die das Rückgrat der deutschen Industrie bilden. Übrigens schlagen sie sich auch deutlich besser als Unternehmen vergleichbarer Größe aus Großbritannien, Frankreich oder der Schweiz.

Die Aktien aus der zweiten Reihe sind gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis zwar nicht mehr ganz billig. Aber auch noch nicht zu teuer. Analysten der WestLB rechnen in ihrem "Small & Midcap Monitor" vor, dass noch etwas drin ist. Der MDax könne bis zum Jahresende noch um zehn Prozent zulegen, lautet das Fazit. Wer davon ausgeht, dass die deutsche Wirtschaft weiter Stärke zeigt, liegt mit Industrieaktien richtig. Die Wette auf Aktien aus dem MDax oder SDax ist und bleibt eine Wette auf die deutsche Exportstärke.

Dass die Anleger mit Nebenwerten auch gehörig daneben liegen können, zeigt das Beispiel TecDax. Der Technologieindex hat im laufenden Jahr fünf Prozent verloren, was vor allem an den schwachen Solarwerten liegt. Solarworld hat beispielsweise fast ein Drittel seines Wertes verloren. Die Billigkonkurrenz aus Fernost macht der Solarbranche zu schaffen, hinzu kommt die Kürzung der staatlichen Förderung in Deutschland. Die Aussichten für Solaraktien bleiben deshalb düster.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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