Bulle & Bär
Aktien: Buffetts Botschaft

Der kleine Zweispalter in der New York Times geht in die Börsengeschichte ein. Super-Investor Warren Buffett hatte vor knapp vier Wochen unter der Überschrift "Buy American. I am" zum Kauf von US-Aktien aufgefordert. Er tue das auch. Das Idol der Value-Investoren sagt sogar noch mehr über seinen persönlichen Geldbeutel.

FRANKFURT. Bisher hat Buffett ausschließlich in Staatsanleihen angelegt. Aber sehr bald, so sagt er, wird er das gesamte Kapital in US-Aktien umgeschichtet haben. Starke Worte in Krisenzeiten.

Bisher haben sich Value-Anleger die Finger verbrannt. Die Jäger der billigen Aktien sind teilweise schon vor Monaten eingestiegen. Zu früh. Jetzt sind auch andere alte Hasen auf den Zug aufgesprungen. Der bekannte amerikanische Investor Jeremy Grantham wagt erste Käufe. Bisher hatte er den Anlegern einen anderen Rat gegeben: Sei nicht mutig. Laufe weg. Lebe weiter, damit du an einem anderen Tag kämpfen kannst - sprich - und du dann noch Geld für Käufe hast. Auf dem Papier scheinen Aktien zu Value-Käufen einzuladen. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind nicht hoch. Kein Wunder, nach einer glatten Halbierung der Börsenwerte an vielen Märkten. Auch ein renommierter US-Verwalter wie John Hussman erwartet nun für die kommende Dekade bei US-Aktien jährliche Erträge um die zehn Prozent.

So scheint es im Lager der Bären Abwanderungen zu geben. Aber eine Massenbewegung ist es noch nicht. Auch die jetzt Mutigen steigen nur mit bescheidenen Beträgen ein. Man taucht einen Zeh ins Wasser. Den Start eines neuen Bullenmarktes mag keiner ausrufen. Und ein Buffett empfiehlt keine breit angelegten Käufe. Der Mann aus Omaha erwirbt ausgesuchte Geschäftsmodelle. Außerdem pocht er dabei auf die guten Perspektiven über fünf bis 20 Jahre. Was bis dahin passiert, weiß jedoch keiner so genau.

Es gibt viele mögliche Störfaktoren für die Zukunft. Aktuell sind die Schwellenländer ein Hotspot. Die Kreditkrise schlägt in Russland und in den Golfländern mit Wucht zu. Das Kernkrisenland USA steht weiter auf der Kippe. Aus der ökonomischen Brille ist eine scharfe Rezession oder gar Depression ein düsteres aber durchaus denkbares Szenario. Manche Analysten glauben deshalb, dass die Gewinnschätzungen für die Unternehmen viel zu hoch sind. Nach einer Revision wären Aktien weit teurer als sie aktuell scheinen. Im Börsenjargon ist von "Value Trap" die Rede, einer Falle für Value-Investoren.

Die konservativen deutschen Anleger werden sich den Value-Argumenten kaum anschließen. Daran würde auch ein Zweispalter in einer deutschen Zeitung aus der Feder Buffetts mit der Überschrift "Kauf' Deutschland. Ich tue es." wenig ändern. Die Deutschen haben schließlich mit altbackenen Zinsanlagen horrende Börsenverluste vermieden. Granthams Vorgehen hat deshalb Charme: Vorsichtig kaufen, aber ein Großteil des Pulvers noch trocken halten.

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