Bulle & Bär
Aktienanalysen müssen unabhängig sein

Die Erkenntnisse der Starmine-Analysten sind erschreckend: Kleine und mittlere Unternehmen werden immer seltener von professionellen Analysten beobachtet. Und die, die bleiben werden immer häufiger von den bewerteten Aktiengesellschaften selbst beauftragt – und bezahlt. Der Qualität der Informationen für Anleger dürfte dieser Trend absehbar schaden.
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FRANKFURT. Das ist umso schlimmer, als Fehlurteile, Gerüchte und Spekulationen gerade in der Welt der kleinen Aktienwerte die Kurse erheblich beeinflussen können.

Damit wird schon heute wieder die Saat für die nächste Enttäuschung der Anleger gelegt. Dafür, dass die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise noch gar nicht richtig vorbei ist, ist das eine erstaunliche Erkenntnis. Am gefährlichsten ist dabei der Vormarsch des Auftragsresearch. Sicher, auch bei den von den Aktiengesellschaften selbst bezahlten Analysten mag es kritische Geister geben. Und natürlich haben auch sie einen Ruf zu verlieren. Doch mit diesem Argument gingen auch die großen Kreditratingagenturen wie Standard & Poor's und Moody's jahrelang hausieren. Auch sie lassen sich von den Firmen bezahlen, die sie benoten.

Was ihnen ihr Ruf wert war, hat die Finanzkrise offengelegt: Mit Massenherabstufungen mussten die Ratingagenturen ihre ungeheuerlich positiven Bonitätsurteile für Schrottpapiere in den Keller korrigieren. Fragwürdige Ratings einerseits und Anleger, die sich in einem nicht minder ungeheuerlichen Maße auf diese Ratings verließen, das hat zur aktuellen Krise beträchtlich beigetragen.

Wer zahlt, bestimmt

Man muss aber nicht einmal in die Welt der Kreditratings abschweifen, wenn es um die Gefahr von Gefälligkeitsanalysen geht: Während des Börsenbooms um die Jahrtausendwende gab es dieses Problem schon einmal. Analysten, die Investoren gegenüber internetträchtige Aktien anpriesen, bezeichneten diese Papiere intern als „Schrott“, „Müll“ oder „wertlos“. Warum die zum Teil als Börsenhelden gefeierten Analysten dies taten? Damit die Banken, ihre Arbeitgeber, sich das nächste Mandat für die nächste Aktienplatzierung sichern konnten.

Wer zahlt, bestimmt. Darauf lassen sich die Erfahrungen der letzten beiden Übertreibungsphasen reduzieren. Wenn sich selbst die Ratingagenturen dem Druck nur schwer entziehen können, sind Analysehäuser erst recht gefährdet. Denn während die internationalen Ratingagenturen quasi im Oligopol agieren, herrscht in der Aktienanalyse viel eher Wettbewerb. Um so wichtiger ist es für Anleger zu klären, welchen Interessenkonflikten ein Analysehaus unterliegt. Das gilt für die Bank, das gilt für die freien Analysten. Trau, schau, wem! Das sagt der Volksmund und lehrt die Krise.

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