Bulle und Bär
Aktienmärkte: Hoffen auf bessere Tage

Ein Horror-Monat liegt hinter uns. Fast alle Aktien haben den Oktober mit einem dicken Minus beendet. Zurzeit bringt jede Woche neue Überraschungen. Als unerschütterlich geltende Wahrheiten werden erschüttert. Wer hätte gedacht, dass sich eine einzelne Aktie im Dax innerhalb von zwei Tagen im Wert fast verdreifachen und auf über 1 000 Euro steigen kann?

FRANKFURT. Ein Horror-Monat liegt hinter uns. Fast alle Aktien haben den Oktober mit einem dicken Minus beendet. Zurzeit bringt jede Woche neue Überraschungen. Als unerschütterlich geltende Wahrheiten werden erschüttert.

Wer hätte gedacht, dass sich eine einzelne Aktie im Dax innerhalb von zwei Tagen im Wert fast verdreifachen und auf über 1 000 Euro steigen kann? Noch bis vor kurzem deutete einiges darauf hin, dass der Kurs der VW-Aktie endlich mal wieder auf ein normales Maß fallen würde.

Das sahen die Herren in der Chefetage bei Porsche offenbar anders. Ziemlich geschickt frisieren sie den Kurs von VW. Manchmal reicht allein schon ein Wort und die Börse spielt verrückt. Für Manipulation gibt es keine Beweise. Zumindest aber sollte Porsche der Titel Sportwagenbauer aberkannt werden. Finanzinvestor wäre passender. Seit langem verdienen die Stuttgarter das meiste Geld nicht mit Autos, sondern durch den Handel mit Aktien und Optionen. Das wäre nicht weiter verwerflich, hätte es zuletzt nicht unschöne Folgen für den gesamten Markt gehabt.

Der Dax wurde zur Lachnummer – ein VW-Index, in dem alle anderen wie Statisten aussahen. Die Börse musste die Notbremse ziehen. Ab heute gelten deshalb neue Spielregeln: Das Gewicht der Volkswagen-Aktie im Dax soll auf zehn Prozent begrenzt bleiben. Und wenn die verrückten Ausschläge der VW-Aktie – nach oben, unten, wohin auch immer – doch noch andauern, dann verliert Volkswagen eben seine Mitgliedschaft im Dax-Club. Kurzer Prozess.

Das VW-Chaos rückt in den nächsten Tage sowieso in den Hintergrund. Ganz andere Ereignisse bewegen dann die Kurse. Da wäre zum Beispiel die US-Präsidentschaftswahl. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn die Wahl der Amerikaner nicht auf Barack Obama fällt. Er wird die Finanzkrise zwar nicht im Handumdrehen beenden. Aber von ihm erwarten die Menschen einfach, dass er die Probleme besser in den Griff bekommt. Den Börsen könnte seine Wahl einen Schub geben. Zumal Studien belegen, dass das Wirtschaftswachstum während der Amtszeiten von Demokraten in der Vergangenheit deutlich höher war als unter Republikanern.

Auch in Europa stehen wichtige Entscheidungen an. Die europäische Zentralbank wird die Leitzinsen senken. In Deutschland könnten private Banken unter den staatlichen Rettungsschirm schlüpfen. Zudem werden zahlreiche Quartalszahlen zeigen, dass es Unternehmen gibt, die den Betrieb noch nicht eingestellt haben und sogar Geld verdienen. An den Aktienmärkten ist die Rezession bereits angekommen – und zu einem guten Teil in den Kursen enthalten.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich der Dax stabilisieren – und vielleicht wieder etwas nach oben klettern kann. Vor allem wird der Index nicht länger die Kurve des irren VW-Fiebers abbilden, sondern wieder das sein, was er sein soll: ein gewöhnlicher Aktienindex.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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