Bulle und Bär
Aktienmarkt: Alte neue Lasten

Der starke Euro, das teure Öl und die Krise am US-Immobilienmarkt drücken die Kurse. Kennen wir diese drei - für die Börse - schlechten Argumente nicht mittlerweile zur Genüge? Vorsicht! Nur weil sich die Nachrichten wiederholen, sind sie damit noch lange nicht ausreichend in den Kursen berücksichtigt.

DÜSSELDORF. Es sollte nicht sein. Kaum hat sich der Dax mühsam in das 8000-Punkte-Terrain vorgearbeitet, verlässt viele Anleger schon wieder der Mut. Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen scheitert unser wichtigster Börsenindex nur um wenige Punkte an seiner alten und im März 2000 erreichten Rekordmarke von 8 136 Punkten.

Das allein muss noch nicht viel heißen. Einerseits signalisieren die häufigen Anläufe nach oben hohe Kauf-, aber eben auch Verkaufsbereitschaft. Andererseits ist es historisch durchaus üblich, dass alte Rekordmarken nicht im ersten Anlauf überwunden werden. Schließlich erinnern sich viele Anleger an die turbulente Zeit nach der Jahrtausendwende und verbinden das alte Börsenhoch mit dem folgenden tiefen Fall. Da verkaufen viele lieber heute als morgen - und drücken so die Kurse.

Ein Blick auf die harten Fakten und Ursachen des neuerlichen Rückschlags offenbart auffällige Parallelen zu den Nachrichten von gestern und vorgestern. Erstens drückt auch jetzt wieder der hohe Euro-Kurs die Kurse; durchaus zu Recht übrigens, wenn man bedenkt, dass der starke Euro und der damit schwache Dollar europäische Waren im Dollar-Raum verteuert. Das macht europäische Unternehmen weniger wettbewerbsfähig und schmälert künftige Gewinne. Zweitens erhöht das teure Öl die Produktionskosten vieler Konzerne und vermiest obendrein die Stimmung der Verbraucher. Das teure Benzin schmälert das Budget für andere Ausgaben - und damit den Konsum und die Gewinne vieler Unternehmen. Drittens schürt die Immobilienkrise in den USA mal wieder die Angst, indem die beiden großen Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's vor steigenden Risiken bei zweitklassigen Hypothekenkrediten warnen.

All das ist nicht neu. Anleger sollten die längst bekannten Nachrichten allerdings keineswegs leichtfertig damit abtun, dass Bekanntes die Kurse nicht mehr nachhaltig bewegen kann, weil der Markt die Neuigkeiten bereits "eingepreist" hat. Der Grund: Die Börsen haben bislang noch kaum auf die drei Risiken an den Finanzmärkten reagiert, sondern diese verdrängt. Vielmehr setzen und vertrauen die meisten Investoren auf die Kraft der zweifellos auch weiterhin boomenden Weltkonjunktur.

Wenn deshalb jetzt die Kurse ein paar Tage länger fallen sollten als in den vergangenen Wochen - trotz gleicher Nachrichten -, dann sollte sich niemand ernsthaft wundern. Erstens vermag noch niemand die Dimensionen der Immobilienkrise in den USA abzusehen. Zweitens sind die Börsen viereinhalb Jahre lang fast nur gestiegen. Da tut eine Korrektur Not.

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