Bulle und Bär
Aktienmarkt: In Spanien tanzt der Bär

Spanische Bau- und Immobilienwerte verlieren seit Anfang des Jahres konstant. Angesichts der Stagnation der Wohnungsnachfrage und der vielerorts bereits zurückgehenden Preise haben sie auch eine komplizierte zweite Jahreshälfte vor sich.

MADRID. Damit wird der spanische Finanzmarkt insgesamt nur mit Schwierigkeiten den Aufwärtstrend des vergangenen Jahres aufnehmen können. Denn bereits seit einigen Wochen zieht die Immobilienkrise den gesamten Ibex-35 gegen den europäischen Trend nach unten. Allein in der vergangenen Woche gab er um drei Prozent nach. Zu sehr hängt Spaniens Wirtschaft von der Bau- und Wohnungskonjunktur ab.

Der branchengrößte Baukonzern Sacyr Vallehermoso musste in diesem Jahr einen Kursrückgang von mehr als 19 Prozent hinnehmen. Die Aktien des Wettbewerbers Inmobilaria Colonial verloren bis Mitte Juni mehr als 17 Prozent. Der mittelständische Grundstückshändler Astroc musste in diesem Jahr gar einen Wertverlust von 77 Prozent hinnehmen. Andere Werte wie der größte spanische Baukonzern ACS erleben derzeit eine regelrechte Achterbahnfahrt, können sich jedoch wegen ihrer starken Diversifizierung im Energie- und Logistiksektor vor einer klaren Talfahrt noch bewahren.

Eine komplizierte Zeit steht in den kommenden Monaten auch noch den spanischen Bankenwerten bevor, deren Schicksal wegen des Hypothekengeschäfts eng mit der Baukonjunktur verbunden ist. Besonders betroffen von der Immobilienkrise ist derzeit die mittelgroße Banco Sabadell, deren Aktien diesem Jahr bereits um knapp fünf Prozent nachgegeben haben.

Es ist herrscht auf dem spanischen Bau einfach keine Bullenstimmung mehr, der Bär tanzt. Aber in Spanien scheinen viele das Warnsignal der Börse immer noch nicht wahrgenommen zu haben. Es wird weiter gebaut, an den Küsten werden neue Maklerbüros geöffnet und Bauunternehmen gegründet.

Einige kleinere Firmen planen sogar den Börsengang. Ihr Start wird in jedem Fall holprig werden, wenn sich ihr Geschäft nur auf den spanischen Wohnungsmarkt stützt. Nur solche Unternehmen, die in ihrem Portfolio einen großen Anteil an ausländischen Investitionen und Gewerbeimmobilien in Spanien haben, werden in diesem Jahr auf dem Parkett der Krise entkommen können.

Das gleiche gilt für die Finanzinstitute. Die größte spanische Bank Santander hat bereits vor zwei Wochen ihre eigenen Immobilienobjekte zum Verkauf gestellt, andere Wettbewerber werden folgen, um das Risiko der Krise auf dem heimischen Wohnungsmarkt zu mindern. Auch die zweitgrößte spanische Bank BBVA will sich langfristig von der Immobiliensparte trennen und lieber in den USA oder China zukaufen. Von solchen Umschichtungsprozessen wird es mit abhängen, ob der Ibex-35 sich von der Krise bei den Immobilienwerten abkoppeln kann und wieder nach oben ziehen wird.

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