Bulle und Bär
Aktienmarkt: Mutige, bitte vortreten!

Allmählich mutiert der Blick in das Depot zu einer regelrechten Mutprobe, wenn es denn zahlreiche US-Titel enthält: 63 Prozent legte der S&P 500-Index in den vergangenen fünf Jahren zu. Gerade einmal elf Prozent blieben davon aus Sicht deutscher Anleger übrig, denn der schwache US-Dollar zerbröselt massiv die Zugewinne.

In Zeiten, in denen eine weitere Abwertung des Dollars ausgemachte Sache scheint, machen Optimisten hingegen eine ganz andere Rechnung auf: Nie war es für europäische Anleger günstiger, US-Aktien zu erwerben. Das gilt vor allem für jene nordamerikanischen Unternehmen, die aufgrund eines hohen Exportanteils sogar Profiteure der Dollarschwäche sind. Beispiel Coca-Cola: Der Konzern erwirtschaftet 70 Prozent seiner Umsätze außerhalb der USA. Während der Aktienkurs in US-Dollar in den vergangenen fünf Jahren um 35 Prozent stieg, ist er in Euro gerechnet heute acht Prozent billiger als noch im November 2002. Auch Konsumgüterhersteller wie Colgate-Palmolive oder der Ölkonzern Halliburton erzielen drei Viertel ihrer Umsätze außerhalb der USA, der Chiphersteller Intel oder Spezialwerte wie der Verpackungshersteller Tupperware kommen sogar auf 85 Prozent Auslandserlöse. Für sie klingeln die Kassen derzeit wie nie zuvor, obwohl die Aktien in Euro gerechnet auf dem gleichen Niveau wie Ende der 90er-Jahre notieren.

"Das große Thema der Zeit ist die Globalisierung, genauer: Die Globalisierung der Absatzmärkte. Davon profitieren die weltweit aktiven US-Großunternehmen ohnehin und die Dollarschwäche sorgt für Rückenwind bei den Erträgen", sagt Bert Flossbach von der Flossbach & von Stoch Vermögensverwaltung. Er ist nach Beobachtung der Ratingagentur Firstfive der einzige Vermögensverwalter, der zuletzt nennenswert US-Aktien zugekauft hat.

Sorgen bereitet den wenigen Bullen die notorisch schwache US-Leitwährung nicht. "Die Währungsrisiken kann man komplett absichern, das kostet derzeit nichts, denn das Zinsniveau ist in den USA und der Euro-Zone annähernd gleich hoch", konstatiert Vermögensverwalter Flossbach. In der Konstellation können deutsche Anleger von einer weiteren Schwäche des Dollars sogar profitieren.

Lohnenswert ist die Beschäftigung mit US-Papieren für deutsche Investoren auch aus Gründen der Diversifizierung: Auf US-Titel entfällt nach Berechnungen von Firstfive gerade einmal zwölf Prozent des Vermögens von mandatierten Depots. Zum Vergleich: Im Weltaktienindex MSCI World kommen US-Aktien auf eine Gewichtung von 43 Prozent. Unterstellt man, dass eine solide Gewichtung irgendwo zwischen diesen Extremen liegen muss, ist es nicht die schlechteste Zeit, sich mit US-Blue-Chips und US-Aktienfonds zu befassen. Wer zudem einen Bogen um die anfälligen Finanzwerte macht, sich auf exportstarke und große Blue Chips konzentriert, kann sich nach sieben mageren Jahren mit US-Aktien berechtigte Hoffnung auf bessere Zeiten machen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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