Bulle & Bär
Aktienmarkt: Schmückendes Beiwerk

Es war zwar nur eine Randnotiz, jedoch eine mit eventuell wegweisender Brisanz: Die Citigroup will ihre Aktien künftig auch an der Börse in Tokio listen lassen.

FRANKFURT. Das überrascht insofern, da der Weg in den vergangenen Jahren doch eindeutig in die andere Richtung ging. Die weltweit agierenden Konzerne, die bis dato aus Imagegründen oft an vielen Börsenplätzen Präsenz zeigten, haben dies seither konsequent abgebaut. "Zu aufwendig, zu geringe Umsätze, zu teuer", waren die Argumente.

Das alles scheint die Citigroup bei ihrem Entschluss, künftig auch an Tokios Börse präsent zu sein, nicht zu stören. Vergleichbar mit dem Expansionsdrang globaler Konzerne aus dem letzten Jahrtausend an eine Vielzahl von Börsenplätzen sind die Pläne der Citigroup dennoch nicht. Sind doch deren Börsenpläne mit einer umfassenden Expansionsstrategie in den Bankensektor im Land der aufgehenden Sonne verbunden.

So soll die Zahl der Filialen in Japan von derzeit 140 um 40 Prozent steigen. Vor allem Privatkunden sind das Ziel. Die bunkern ihr Erspartes schließlich momentan größtenteils auf Sparkonten. Die US-Bank will ihnen stattdessen deutlich renditestärkere Fonds und andere Investmentprodukte verkaufen. Natürlich auch, um an den dadurch anfallenden Provisionen ordentlich zu verdienen. Die Börsennotiz in Tokio dient dazu als nützliches Anschauungsobjekt für den Kursverlauf und die damit verbundene Reputation des eigenen Hauses.

Gegebenenfalls gibt es noch einen zweiten Grund: Angeblich ist bei der Citigroup noch nicht entschieden, ob für das Listing in Tokio auch neue Aktien ausgegeben werden sollen. Damit würde die Bank zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen käme frisches Geld für den Ausbau des Filialgeschäftes in die Kasse. Zum zweiten würden die neuen japanischen Investoren dafür sorgen, dass gleich ein spürbarer Handelsumsatz am Börsenplatz Tokio vorhanden wäre.

Denn darin lag bei den bisherigen globalen Börsenlistings stets das Manko: Weil gerade die Großinvestoren mit ihren hohen Handelsumsätzen an den Börsenplatz gehen, wo die größte Liquidität einer Aktie herrscht, blieb für die weiteren Börsenplätze, an denen eine Aktie gehandelt wurde, meist wenig übrig. Paradebeispiel dafür ist die Nokia-Aktie, von denen weit über 70 Prozent an der ansonsten eher unbedeutenden Börse in Helsinki "umgehen".

Eine generelle Trendwende hin zu wieder mehr Börsenlistings einer Aktie stellen die Citigroup-Pläne indes nicht dar. Dafür sind sie zu speziell. Und zudem wohl kalkuliert. Wer also künftig damit rechnet, dass sich die globalen Konzerne wieder wahllos an etlichen Börsenplätzen niederlassen, der liegt falsch. Der Aufwand stünde in keiner Relation zum Ertrag. Wenn dies doch in dem einen oder anderen Fall wieder geschehen sollte, dann steht dahinter ein wohl kalkulierter Masterplan, bei dem ein Börsenlisting nur schmückendes Beiwerk ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%