Bulle & Bär
Aktienmarkt: Weder Fisch noch Fleisch

Wenn es um die Branchen der Zukunft an den Aktienmärkten geht, verlieren selbst erfahrene Investoren inzwischen den Überblick.

Die Inflation der so genannten Megatrends erinnert längst an den Börsenhype der späten 90er-Jahre. Seinerzeit ersannen die Fondsgesellschaften für bequeme Investoren so genannten Zukunftsfonds. Deren Anlageuniversum sind Aktien von Unternehmen, die – so die gängige Floskel – in besonders aussichtsreichen Branchen und Märkten aktiv sind.

Ein Blick auf die langfristige Kursentwicklung dieser umfassenden Zukunftsfonds zeigt allerdings: Die meisten Produkte sind nicht Fisch und nicht Fleisch. Sie können weder mit der Kursentwicklung sehr guter globaler Aktienfonds mithalten, noch erzielen sie selbst in starken Börsenjahren auch nur annähernd die Erträge, die Branchenfonds mit einem klaren Fokus auf Zukunftsmärkte wie Wasser, Biotechnologie oder regenerative Energien erwirtschafteten.

So hinkt der 1,2 Mrd. Euro schwere Uni 21.Jahrhundert von Union Investment sowohl über die letzten drei als auch die letzten fünf Jahre seinem Vergleichsindex MSCI World deutlich hinterher. Auch andere Zukunftsfonds wie der ISI Megatrend Equities oder der Millennium Invest der LBB Invest scheiterten bei dem Versuch, sich langfristig nachhaltig von ihren Vergleichsindizes zu lösen. Der Chart des BHW Megatrend wiederum gleicht über ein Jahr einem Abziehbild des TecDax.

Einige Anbieter zogen daraus bereits die Konsequenzen und begruben das schwammige Konzept der Zukunftsfonds. Julius Bär strich nach einigen schwachen Jahren dem „Global Megatrend Stock Fund“ zu Jahresbeginn den „Megatrend“ aus dem Namen und strukturierte den Fonds zu einem globalen Aktienfonds um. Auch Activest fusionierte den „TrendWorld“ mit dem Activest Global Select.

Das ist nur konsequent, denn im Hinblick auf die enthaltenen Werte sind viele Zukunftsfonds ohnehin kaum von einem klassischen globalen Aktienfonds zu unterscheiden: Zu den größten Depotpositionen des Uni 21.Jahrhundert zählen derzeit etwa ExxonMobil, Microsoft, General Electric und Pfizer.

Mit der Straffung der Fondspaletten erleichtern die Fondsgesellschaften vielen Anlegern die Entscheidung für eine langfristig aussichtsreiche Strategie: Statt mit nur einem Fonds alle Märkte der Zukunft abdecken zu wollen, lohnt für Investoren eine klare Trennung ihrer Anlagen in echte Branchenprodukte für Unternehmen der Wasser-, Biotech-, Rohstoff- oder Alternative-Energien-Branche einerseits und klassische globale Aktienfonds andererseits. In beiden Anlagesegmenten finden sich aussichtsreiche Fonds und Zertifikate, die in den vergangenen Jahren hervorragende Erträge erzielt haben. Ein umfassendes Zukunftsprodukt, das sowohl in Bullen- als auch Bärenmärkten bislang gute Erträge für Investoren erzielt hat, sucht man hingegen vergeblich.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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