Bulle & Bär
Aktienmarkt: Zauderer in der Zwickmühle

Anleger haben es derzeit angesichts der kräftigen Kursgewinne in den vergangenen Monaten schwer. Viele von ihnen stehen an der Seitenlinie, zögern, zaudern, fragen sich, ob ein Einstieg bei Aktien überhaupt noch lohnt. Ein Blick auf den Fondsabsatz verdeutlicht die Unsicherheit.

DÜSSELDORF. Als Verkaufsschlager fungieren seit Monaten Geldmarktfonds. Ihnen flossen alleine im Januar und Februar zusammen mehr als zehn Mrd. Euro zu. Die gute Nachricht für Zauderer: Ihre Argumente sind schlüssig, denn die Hausse geht mittlerweile ins fünfte Jahr. Seit dem Kurstief im Frühjahr 2003 hat sich der Deutsche Aktienindex Dax mehr als verdreifacht. Die schlechte Nachricht: Die Entscheidung, ob ein Einstieg noch lohnt, wird den Anlegern in den kommenden Monaten nicht erleichtert, sondern eher erschwert werden.

Denn bleibt es beim bisherigen Fahrplan zur Einführung der Abgeltungsteuer, haben Investoren nur noch gut eineinhalb Jahre Zeit, um sich bei Neuengagements den Bestandsschutz vor der Abgeltungsteuer für Kursgewinne zu sichern. Für Wertpapiere, die nach dem 1.1. 2009 in die Depots wandern, ist dann beim Verkauf eine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne von 25 Prozent fällig. Das Horrorszenario für Zauderer: Die Aktienmärkte legen bis weit in das nächste Jahr hinein kräftig zu – mit dem nahenden Steuer- Stichtag wächst der Druck einzusteigen. Das zu erwartende Marketingfeuerwerk der Finanzdienstleister tut sein Übriges.

Freilich bergen steuerliche Anreize stets Risiken, wenn es um die Geldanlage geht. Auch ist es immer noch besser, eine Abgeltungssteuer auf mögliche Kursgewinne aus Aktienengagements zu entrichten, als das Kapital in mager verzinsten Sparbüchern oder Geldmarktfonds schlummern zu lassen. Klettert aber der Dax binnen zehn Jahren auf 15 000 Punkte – was einer keineswegs überzogenen jährlichen Rendite von knapp acht Prozent entspricht – könnte ein Anleger, der heute in einfache Indexzertifikate auf den Dax einsteigt, eine steuerfreie Rendite von 7,8 Prozent pro Jahr erzielen. Um auch nach Einführung der Abgeltungsteuer, also mit einem Kauf nach dem 1.1.2009 auf die gleiche Rendite nach Steuern zu kommen, müsste ein Anleger zunächst auf eine Korrektur des Dax von mehr als 1000 Punkte auf rund 6000 Punkte hoffen und erst dann zugreifen. Bleibt die Korrektur aus, und der Investor steigt entnervt bei 8000 Punkten ein, sinkt die Nachsteuerrendite eines Dax-Investments im genannten Szenario nach Steuern von knapp acht- auf dann nur noch fünf Prozent pro Jahr.

Die Zauderer unter den Anleger tun daher gut daran, die eigene Position kritisch zu hinterfragen, zumal der Kapitalmarkt auch für vorsichtige Anleger Alternativen zur klassischen Aktienanlage bietet. Dazu zählen etwa Wandelanleihen, aber auch Mischfonds und vermögensverwaltende Fonds, die über Bar- und Anleihequoten zumindest einen Teilschutz in Aussicht stellen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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