Bulle & Bär
Aktionäre können die Zukunft nur erahnen

Eine der Lehren, die Anleger zum Ende der laufenden Quartalssaison ziehen müssen, lautet: Die Unternehmen sagen bei der Vorlage ihrer Zahlen vieles zur Vergangenheit, aber nur noch wenig zur Zukunft. Wobei die Transparenz von großen zu kleinen Unternehmen abnimmt.

FRANKFURT AM MAIN. Gleich mehrere Fragen stellen sich dem Aktionär dabei. Was bringen Ausblicke, und welchen Stellenwert haben sie für die Anlageentscheidung? Können oder wollen die Unternehmen nicht mehr zu ihrer eigenen Zukunft sagen? Und zeichnet sich ein genereller Trend zu mehr Zurückhaltung bei Prognosen ab?

Zum ersten Punkt ist zu sagen, dass ein Investor – so banal das klingen mag – grundsätzlich niemals zu viel Informationen über ein Unternehmen haben kann. Schließlich können die Konsequenzen frappierend sein, wenn wesentliche Tendenzen in der Branche oder im Umfeld dem Investor verschwiegen werden. Gravierender ist indes die Frage, warum die Unternehmen so zurückhaltend in ihrer Informationspolitik sind. Zum einen liegt es sicherlich daran, dass es in den letzten Jahren schwieriger geworden ist, Prognosen zu erstellen.

Des weiteren sind branchentypische Veränderungen, globale und schnelllebige Märkte sowie geopolitische Risiken wie Kriege oder Terror nur ein Teil dessen, wodurch Zukunftsaussagen derzeit erschwert werden.

Die Folge davon ist, dass viele Unternehmen in den vergangenen Jahren mit ihren Umsatz- und Ergebnisprognosen ziemlich daneben lagen und sich neuerdings gerne um konkrete Aussagen herummogeln. Immerhin nennen noch die Hälfte aller Dax- und MDax-Werte konkrete Planzahlen für Umsatz und Ergebnis. Und darauf kommt es den meisten Anlegern an. Daten wie die Ausgaben für Forschung und Entwicklung oder die Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Lage tangieren sie sowieso nur am Rande.

Alles also längst nicht so schlimm? Da würde es sich der Anleger zu einfach machen. Denn die Tendenz geht eindeutig dahin, dass er sich künftig selbst umfassender informieren muss, vor allem, was Branchenumfeld, Produktinnovation und -qualität sowie Standing des Unternehmens am Markt anbelangt.

Die großen Werte werden auch künftig umfassend informieren müssen, wollen sie ihren internationalen Investorenkreis nicht verprellen. Sehr viel zurückhaltender werden hingegen die kleinen und mittelgroßen Aktiengesellschaften agieren, die heute schon oftmals mit der Vielzahl der Regularien, die es im Anlegerinteresse zu erfüllen gilt, überlastet sind. Sie werden Muss-Vorschriften beispielsweise im Berichtswesen erfüllen, Kann-Vorschriften wie einen Ausblick auf die Dividendenpolitik hingegen weitgehend ignorieren.

Ganz schwierig wird es bei den Kleinstwerten. Bei den Micro-Caps – also den Aktien mit einem Marktwert von maximal 150 Mill. Euro – wird sich der Anleger Mosaikstein für Mosaikstein selbst zusammen suchen müssen.

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