Bulle & Bär
Altria - Feuer für die Anleger

Rauchen ist nicht mehr cool, sondern fast schon peinlich. Für Zigaretten zu werben, wird immer schwieriger. Und in den USA machen sich gewitzte Anwälte und geschädigte Raucher über die Tabakkonzerne her und verklagen diese auf Milliarden an Schadenersatz. Trotzdem lohnt es sich, schon einmal einen Blick auf die künftige Aktie von Altria International Tobacco zu werfen.

DÜSSELDORF Früher haben sich ganze Kerle in den entscheidenden Momenten des Lebens eine Zigarette angezündet und ließen ihren Blick dann melancholisch in die Weite schweifen. So sah es nicht nur in den Zigarettenwerbung aus, sondern auch in vielen Filmen. Dann haben die Frauen es ihnen nachgemacht und sich ganz emanzipiert ihre Lungen ruiniert.

Heute ist das vorbei. Rauchen ist nicht mehr cool, sondern fast schon peinlich. Für Zigaretten zu werben, wird immer schwieriger. Und in den USA machen sich gewitzte Anwälte und geschädigte Raucher über die Tabakkonzerne her und verklagen diese auf Milliarden an Schadenersatz - nach dem Motto: Uns hat ja keiner gesagt, dass Zigaretten schädlich sind.

Der Schritt von Altria - das sind die mit den Cowboys - ist daher konsequent: Der Konzern spaltet den internationalen Teil des Geschäfts ab und lässt ihn künftig von der Schweiz aus steuern: So ist dieser Teil abgeschirmt von den Risiken. Die Details werden allerdings erst im kommenden Jahr festgeklopft.

Der Schritt ist nicht überraschend, entsprechend zurückhaltend fiel auch die Börsenreaktion aus. Schon lange wurde darüber spekuliert, und im Laufe der Woche verdichteten sich die Anzeichen, dass er tatsächlich realisiert wird.

Trotzdem lohnt es sich, schon einmal einen Blick auf die künftige Aktie von Altria International Tobacco zu werfen. Gemessen an den verkauften Stückzahlen für das zweite Quartal 2007 entfällt auf die Europäische Union ein Anteil von rund 30 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Osteuropa, den Nahen Osten und Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Musik spielt für die künftige Aktie also in den Schwellenländern. Und dort ist Tabak noch ein Wachstumsgeschäft, allein schon wegen der steigenden Bevölkerungszahl, aber auch, weil mehr Leute mehr Geld haben und dies zum Teil auch in weltweit bekannte Marken investieren.

Die Zahlen zeigen aber ein gemischtes Bild. So ging in Mexiko der Zigarettenkonsum stark zurück, was zum Teil steuerliche Gründe hatte. In der Türkei spürte Altria starke Konkurrenz von Billigmarken, in Ägypten lief das Geschäft dagegen blendend. Insgesamt ergaben sich für die Europäische Union und Lateinamerika rückläufige Zahlen, für Osteuropa ein leichter, für Asien ein starker Zuwachs. Allerdings war das Asiengeschäft durch eine Übernahme in Pakistan geprägt. Ohne dieses Geschäft hätte der Verkauf stagniert.

Der Zukauf zeigt aber auch, dass der Konzern sein Schwergewicht künftig noch stärker auf die Schwellenländer legen wird. Eine Aktiengesellschaft mit Sitz in der Schweiz, sehr starken Marken und der Wachstumsphantasie der Emerging Markets - das hat einen gewissen Reiz, aber eher als ruhige Langfristanlage.

Ob es sinnvoll ist, jetzt schon einzusteigen? Nun, die Nachricht über den Split ist draußen, sie dürfte am Kurs nicht mehr viel ändern. Vielleicht ist es besser zu warten, bis es die neue Aktie gibt.

wiebe@handelsblatt.com

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