Bulle und Bär
Anglo American: Attraktive Goldgrube

Das Aufatmen war hörbar. Als erstes der vier großen Minenhäuser hat das britisch-südafrikanische Schwergewicht Anglo American zum Wochenende seine Resultate für die erste Jahreshälfte präsentiert - und positiv überrascht.

KAPSTADT. Anglos Zahlen lagen ausnahmslos im oberen Bereich der Vorhersagen. Angesichts der weit verbreiteten Nervosität vieler Anleger über die bei einigen Rohstoffkonzernen aus dem Ruder gelaufenen Kosten dürfte das Resultat wie eine Beruhigungspille wirken.

Schließlich stand auch Anglo American zuletzt unter immensem Kostendruck. Die Stromkrise in Förderländern wie Südafrika oder Chile oder die immer höheren Tantiemen, die Anglo künftig an den südafrikanischen Staat zahlen soll, schlagen negativ zu Buche. Jetzt kommen noch gestiegene Preise für Öl, Stahl und Sprengstoff dazu. Nach einer Studie von Pricewaterhouse-Coopers haben 40 internationale Minenunternehmen im letzten Jahr zum ersten Mal seit sechs Jahren einen höheren Kosten- als Produktionsanstieg verzeichnet.

Doch der nach Börsenwert weltweit viertgrößte Rohstoffkonzern hat aufgrund der anhaltend hohen Preise für Bodenschätze seinen Reingewinn in den sechs Monaten bis Ende Juni deutlich steigern können - und zwar um 27 Prozent auf 4,3 Mrd. Dollar. Dass der Umsatz zeitgleich um fast zehn Prozent auf nur noch 18 Mrd. Dollar fiel, erklärt sich mit Verkäufen an Beteiligungen wie etwa der Goldtochter Anglogold Ashanti. Das 1917 auf den Goldfeldern um Johannesburg gegründete Unternehmen hat sich damit endgültig aus dem Goldsektor verabschiedet.

Heute liegt der Fokus zunehmend auf den Basismetallen wie Kupfer, Nickel und Zink, deren Anteil am Betriebsgewinn der Gruppe bei rund 40 Prozent lag. Besonderes hohe Zuwachsraten verzeichneten jedoch die Preise von Eisenerz und Kohle, die ein Drittel zum Betriebsgewinn der Anglogruppe beisteuerten.

Daneben hat das Unternehmen mit drastischen Kostensenkungen und einer höheren Verschuldung zuletzt seine Kriegskasse gefüllt. Allerdings hat die amerikanische Unternehmenschefin Cynthia Carroll durchblicken lassen, wenig von einer Elefantenhochzeit zu halten wie sie der weltgrößte Rohstoffkonzern BHP Billiton mit seinem australischen Rivalen Rio Tinto versucht. Sie hat stattdessen schon den 75-Anteil an dem Platin-Förderer Angloplat auf 77,8 Prozent aufgestockt.

Die vor 18 Monaten zur Konzernchefin berufene Carroll selbst erwartet trotz vieler Unwägbarkeiten für die zweite Jahreshälfte eine anhaltend hohe Nachfrage nach Rohstoffen, vor allem in China und den größeren Schwellenländern. Dann will das Unternehmen auch den versprochenen und bislang nur zu einem Drittel abgeschlossenen Aktienrückkauf in Höhe von vier Mrd. Dollar wieder forcieren, zumal die Titel im letzten Monat mit fast 25 Prozent unverhältnismäßig stark verloren, und damit an Attraktivität gewonnen haben.

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